Mein erster richtiger Valentinstag (hoffentlich)

Mir ist aufgefallen: Ich habe noch nie jemandem ein Valentinstagsgeschenk gemacht. Seit neun Jahren bin ich schon die Freundin irgendwelcher Personen (mit Pausen dazwischen) und es gab nie die Gelegenheit, den Valentinstag zu feiern. Aus welchen Gründen auch immer gingen meine Beziehungen immer gegen Ende Winter in die Binsen. Oder wir waren zwar weiterhin ein Paar, konnten das Zweierding aber nur grad mit Ach und Krach über Wasser halten. Nicht, dass das schlechte Beziehungen gewesen wären, nein, nein, die waren wirklich alle super. Wir haben einfach den Zeitpunkt für unsere Krisen jeweils schlecht gewählt.

Dabei fände ich es witzig, mal termingerecht in den Sprüngli zu gehen und so eine herzförmige Box mit Pralinés zu kaufen. Doch, das fände ich richtig schön. Oder es wäre toll zu sagen: «Schatz, Chäferli, Müüsli, Babe, ich find Valentinstag auch blöd, aber weil ich dich so gern hab‘, bin ich durch Regen und Schnee zum Bioladen in Frankreich gefahren, um deine Lieblingsnutella zu kaufen. Jaja, die mit Crunchy! Lass uns in die Küche gehen und das Glas auslöffeln.»

Jedenfalls sind es noch vier Tage hin bis zum Vierzehnten und während vier Tagen kann so allerhand passieren. Vier Tage sind lang, wenn man gerade quasi auf unkartierten Gewässern unterwegs ist. Riesige, zwölfarmige Tiefseemonster unter der verspiegelten Wasseroberfläche. Tückische Wirbel. Schiffswracks auf dem Meeresgrund, die tüchtigsten Seefahrer sind hier schon gekentert! Aber es könnte sein, also es wäre jedenfalls möglich, dass es dieses Jahr anders wird. Jetzt, wo wir es schon bis hier geschafft haben – nicht besonders weit, aber doch immerhin bis hier. Also jetzt, wo wir zwei unsteten Künstlerseelen, wir zu Exzessen neigenden Exzentriker, wir inkompatiblen Individuen, wir hoffnungslosen Hochseenavigatoren es zusammen bis hier geschafft  haben – zusammen! –  spricht eigentlich nichts dagegen, dass wir es auch noch bis Freitag hinkriegen. Oder?

Das wär‘ spektakulär. Der erste richtige Valentinstag. Ich würde natürlich keine rote Rosen kaufen, die aus Äthiopien kommen und für die das Trinkwasser der lokalen Einwohner drauf ging. Nein, das nicht. Aber ich stelle mir vor, vielleicht gehen wir nachts zum Rheinhafen und setzen uns auf die Treppe der Luftqualitätsmessstation, direkt am Wasser. Auf die Treppe, die jetzt schon beinahe unsere Treppe ist. Und dann teilen wir uns eine Orange. Und dann würde ich mich zusammenreissen und sagen: «Lueg. Niemand philosophiert so schön über Roboter wie du. Niemand. Und ich weiss nicht, was uns geritten hat, als wir beschlossen haben, ein Paar zu sein, aber mir gefällt das so. Mir gefällt das einfach ungeheuer, wenn du da bist. So. Und ich denke, wenn du nichts dagegen hast, wir sollten da weiter dran bleiben.»

 

1 Kommentar

  1. Martin Lechner
    Do, 13. Februar 2014 / 16:10 Uhr

    Haha, genialer Abschlusssatz! „Wenn du nichts dagegen hast, wir sollten da weiter dran bleiben.“ :D Wer würde das nicht gern hören! :)
    Kleiner Tipp: Sollte das mit der Treppe aus irgendeinem Grund nicht klappen, ich hab super Erfahrungen ;-) mit Reisen als Valentinstagsgeschenk gemacht.

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