Küchentischanatomie

Wenn die Kommilitoninnen zu Mitbewohnerinnen werden

Nun ist es also ein Jahr her. Ein Jahr, seit ich mit Sack und Pack hier in Basel angekommen bin und wir meinen Kleiderschrank etwa dreimal aufstellen und wieder auseinander nehmen mussten, nur weil man bei verlorener IKEA-Anleitung erst am Schluss merkt, dass das letzte Brettchen doch schon am Anfang hätte angeschraubt werden müssen. Ein Jahr voller neuer Eindrücke und lustiger Geschichten. Ein Jahr, das ich nicht mehr aus meinem Leben wegdenken möchte.

Eine folgenschwere Anatomievorlesung
Als ich die Anatomievorlesung im dritten Semester begann, konnte ich mir noch nicht vorstellen, dass ich ein Jahr später mit meiner Tischnachbarin in unserer gemeinsamen Küche für die Prüfung lerne.
Wir verstanden uns von Anfang an gut und so bekam ich eines Tages nebenbei mit, dass in ihrer derzeitigen WG ein Zimmer frei wurde. Kurz darauf ging es dann in den gemeinsamen Vorlesungen nicht mehr um Anatomie, sondern ums Planen des Einzuges.

Mittlerweile wohnen wir zu dritt in einer kleinen 3.5 Zimmer-Altbauwohnung in Basel. Zu dritt heisst: Ich mit zwei Biologinnen, ebenfalls im 5. Semester. „Ja, lauft denn das guet?“, bekommen wir oft zu hören, wenn wir erzählen, dass wir drei Frauen in einer WG sind. Ja klar! Auch wenn unser Bad nicht sehrgross ist und wir uns am Anfang nur von der Uni her kannten, in diese WG einzuziehen war wohl eine der besten Ideen in meiner gesamten Unikarriere.

Etwas ausserhalb und doch mittendrin
Unsere Wohnung ist zwar etwas ausserhalb des Zentrums und ruhig gelegen, doch ist man mit dem Fahrrad schnell an der Uni oder in der Stadt. Spontan mal an die UB auf einen Kaffee am Nachmittag, am Abend noch kurz in der SkuBar vorbei schauen oder auch mal etwas länger an einer Studiparty bleiben ohne den letzten Zug im Auge behalten zu müssen, diese Dinge waren plötzlich alle möglich.

Das Mittagessen kochen wir meistens zusammen, was zur Folge hat, dass wir oft zu spät und mit einer super Fressnarkose in die anschliessende Vorlesung kommen. Und auch am Abend trifft man sich wieder in der Küche bei einem Schlummertrunk. Die Küche ist sowieso einer der wichtigsten Räume in unserer Wohnung, nicht nur weil wir kein Wohnzimmer haben. Ich wüsste gerne einmal, wie viele Stunden wir schon an unserem ausziehbaren Küchentisch verbracht haben!

Uni, Uni, Uni?
„Über was redet ihr denn so in der WG?“, wurde meine Mitbewohnerin einmal gefragt. „Immer nur über die Uni?“ Natürlich nicht. Klar ist die Uni in einer Studenten-WG, wenn alle noch im gleichen Semester und in derselben Fakultät sind, ein allgegenwärtiges Thema. Doch je länger wir nun schon zusammen wohnen und je besser wir uns kennen, desto abwechslungsreicher, ausschweifender und lustiger werden die Diskussionen am Tisch – zum Glück befinden sich weder versteckte Kameras noch Wanzen in unserer Wohnung.

Ich jedenfalls könnte mir die WG kaum noch aus meiner Zeit in Basel wegdenken. Und die verpassten Anatomiestunden, die wir mit Durchstöbern des IKEA-Sortiments verbrachten, holten wir ja dann kurz vor der Prüfung wieder nach – an unserem Küchentisch.

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