Inside Unitheater

In einer Woche feiert die neue Produktion des Unitheaters Premiere: Die Nashörner nach Eugène Ionesco. Ein Erlebnisbericht aus dem Probenalltag:

Kellner. Kellner. Kellner. Logikerin. Kellner, Logikerin. Kellner, Logikerin. Wirt. Kellner, Logikerin, Wirt. Kellner, Logikerin, Wirt. Wie ein Mantra wiederhole ich diese Worte. Selbst wenn mein Partner meinen Kopf auf den staubigen Betonboden drückt, kann ich nicht aufhören damit.

Einer der letzten Tage nach zwei Wochen Intensivproben für die diesjährige Produktion der Gruppe Vincenzi des Unitheaters. Ein kurzer Blick auf mein Handy sagt mir, dass es Samstag ist. Seit knapp zwei Wochen verbringen wir, das zehnköpfige Schauspielensemble und Muk, der Regisseur, den Grossteil unseres Lebens im Keller des Klybasler Klara.

Jedes Mal, wenn wir auf der Suche nach Futter die schwere Tür aufdrücken und die Treppe hinaufkriechen, werden wir aufs Neue von der Wärme dieser Septembertage überrascht. Meine Existenz ist zweigeteilt in ein «hier drinnen» und ein «dort draussen».

Und irgendwie passt das alles zum Stück. Wir spielen «Die Nashörner» nach Ionesco, ein Paradebeispiel des absurden Theaters, bei dem sich die Bevölkerung einer Kleinstadt nach und nach in die titelgebenden Vierbeiner verwandelt. Die nackten Betonwände werden immer mehr zu der schweren Haut eines Nashorns und das Gefühl, von «denen da draussen» ganz weit weg zu sein, beschleicht nicht nur Behringer, die Hauptfigur des Stückes, sondern langsam aber sicher auch mich.

Schleifarbeit
Gut eine Woche später: Inzwischen hat das Semester wieder begonnen. Seit dem ersten Durchlauf mit Publikum am letzten Sonntag hatten wir keine Probe mehr. Wir treffen uns am frühen Nachmittag und gehen in der Gruppe die Rückmeldungen des Testpublikums durch. Was hat funktioniert? Gibt es Längen, die wir beseitigen können? Wo müssen wir Kanten reinbringen und wo gilt es, Ungereimtheiten zu klären? Wie können wir in den einzelnen Szenen den Fokus besser setzen?

Auf den Abend haben wir den nächsten Durchlauf angesetzt, diesmal mit Sarah, der Regisseurin der letzten Produktionen, als Testzuschauerin. Julia, eine Spielerin der Primaten – der anderen Gruppe des Unitheaters – wird Fotos machen. Kurz vor dem Durchlauf dann die Hiobsbotschaft: Unser Regisseur steckt mit der Deutschen Bahn im Sturmtief Fabienne fest.

Dennoch kämpfen wir uns durch das Stück. Der Text sitzt nicht, es gibt Anschlussschwierigkeiten, die Kostüme fallen nicht, wie sie sollen, wir haben kaum Energie. Die Stimmung ist im Keller, wir haben alle mehr von uns erwartet. Sarah versucht, uns Mut zuzusprechen, aber heute Abend geht nichts mehr und alle Nashörner verkrümeln sich in die kühle Nacht. Als ich endlich im Bett liege, kann ich mich kaum an den Durchlauf erinnern.

Fleissarbeit
Einen halben Tag später bin ich zurück im Keller. Mit Schreibzeug bewaffnet sitzen wir auf dem Betonboden oder den alten Matratzen und hören uns das Feedback an. Es gibt Verbesserungsbedarf, aber bisher fand niemand das Stück schlecht. Muk gibt generelle und individuelle Inputs, macht Vorschläge, stellt einzelne Sequenzen um. Das Gespräch tut allen gut, wir reissen wieder Witze und fassen neuen Mut.

Beim nächsten Durchlauf einen Tag später setzen wir die Ideen um und übertreiben dabei alles. Sachen rausnehmen können wir immer noch, aber aktuell brauchen wir frische Ideen. Der Text sitzt in den meisten Fällen inzwischen so gut, dass Raum bleibt für kleine Improvisationen und neue Interaktionen, das Spiel ist schnell, laut, gross, und als ich etwa in der Hälfte des Stücks mit Mehl um mich schmeisse, spüre ich es endlich wieder: das Bühnenfieber, das Gefühl, dass es endlich läuft, dass alles gut kommt.

Endspurt
In einer Woche ist die Premiere und es gibt noch viel zu tun. Es gibt Flyer zu verteilen, Plakate aufzuhängen, Reservationen zu bestätigen, Kostüme zu optimieren, Szenen zu üben, letzte Änderungen einzubauen. Einen ganzen Abend verbringen wir mit einem technischen Durchlauf, um jede Lichteinstellung und die Stichwörter für sämtliche Lichtwechsel festzulegen.

Wie genau wir Teile der Kostüme verwenden, in langen Szenen die Energie halten können und die gewollten chaotischen Momente choreografieren – dafür haben wir noch einige Tage Zeit. Und wenn ich daran zurückdenke, wie viel wir in der kurzen Zeit geschafft haben, zweifle ich keine Sekunde daran, dass wir auch diese Punkte sauber auf die Bühne bringen werden.

Die Premiere von Die Nashörner nach Ionesco findet am Donnerstag, 4. Oktober, statt. Tickets können unter www.unitheater.ch reserviert weden.

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