Freunde finden an der Uni

oder: Wie ich Roger, Michaela, Paul und Sandra kennengelernt habe.

Das Schöne an der Uni ist ja, dass man sich seine Freunde selber aussuchen kann. Vor allem in Fächern wie Geschichte, wo es keine fixen Klassen gibt, so dass man jedes Semester wieder mit anderen Leuten in den Kursen sitzt. Da hat es für jeden was dabei… solche, die am Wochenende liebevoll ihr Auto waschen und solche, die schwören, nie im Leben den Führerschein zu machen. Solche, die im 14. Semester studieren und immer noch entspannt sind und solche, die mit 24 ihre eigene Firma haben möchten. Die Frage ist nur, wie man die passenden Leute kennenlernt. Bei mir war das so:

Roger, bzw. Heinz: Am ersten Uni-Tag, vor dreieinhalb Jahren, traf ich einen sympathischen jungen Mann. Mindestens 1,92 m gross, mit zusammengeknoteten Haaren, sehr athletisch. Ich fragte nach seinem Namen. Er schaute an mir vorbei und sagte: „Heinz“. War mir klar, dass er nicht Heinz hiess, genau so wenig wie Manfred oder Archibald. „Ich heisse Mathilde“, sagte ich und es dauerte Wochen, bis wir unsere richtigen Namen herausfanden. Heinz hat einen trockenen Humor, das muss ich zugeben, inzwischen gehört er aber zu meinen besten Freunden. Das Bild weiter oben ist übrigens in Lyon entstanden, nach einer langen, abenteuerlichen Reise.

Michaela: Im ersten Semester mussten wir gemeinsam vor einer kleinen Gruppe einen Vortrag halten. Es ging um die Kleider der Renaissance, um Röcke und Rüschen. Wir mochten das Thema nicht und die Texte, die wir zur Vorbereitung hätten lesen müssen, waren uns zu lang. Wir waren wirklich inkompetent und alle, die in den Wochen zuvor aufgepasst hatten, wussten besser Bescheid als wir. Richtig wütend wurde unser Professor zwar nicht, er schaute uns aber böse an, wenn wir Begriffe verwechselten oder sonst wie daneben griffen. Rückblickend waren das lustige 45 Minuten und seither sind wir Freunde.

Paul: An der Uni gibt es Leute, die sieht man so oft, dass sie einem extrem vertraut vorkommen, obwohl man nicht einmal ihren Namen kennt. Paul war auch so eine Person. Wir hatten seit zwei oder drei Wochen täglich im selben Raum gelernt, ich kannte ihn aber nicht näher. Als ich vor kurzem die Bibliothek verlassen wollte, rief er mich zu sich und sagte: „Hey! jetzt haben wir uns fast jeden Tag gesehen und ich weiss nicht einmal, wie du heisst. Ich heisse Paul“. Das war mir peinlich. Wie kommt es, dass ich nie hallo gesagt hatte? Es kann sich lohnen, solche Leute anzusprechen, Paul und ich trinken jetzt ab und zu einen Kafi zusammen.

Sandra: Im letzten Herbst wollte ich mir gemeinsam mit Roger (bzw. Heinz) in der Küche im Historischen Seminar Tee kochen. Am Tisch in der Küche sass eine uns unbekannte Studentin und ass ihren aufgewärmten Curry-Reis von Anna’s Best. Sie strahlte, als sie uns sah und verwickelte uns gleich in ein Gespräch. Während das Teewasser heiss wurde, stellte sie uns mindestens fünfzehn Fragen und erzählte, dass sie erst seit diesem Sommer in Basel sei und welche Dozentinnen sie gut fände. Dermassen gesprächige Leute trifft man selten am Historischen Seminar. Auf dem Weg nach draussen sagte ich zu Roger: „Leute im ersten Semester sind doch herzig, so unverdorben und gesprächig, nicht so wie wir alten Füchse!“ Ein paar Tage später habe ich herausgefunden, dass Sandra tatsächlich im ersten Semester ist, im ersten Semester des Master-Studiums, also viel weiter als Roger und ich. Wir haben folgendes daraus gelernt: Erstens: Beurteile Studenten nicht anhand ihrer Semesterzahl und zweitens: Es gibt keinen Grund, warum Studenten in den höheren Semestern nicht mehr gesprächig sein sollen.

2 Kommentare

  1. Gabushka
    Do, 10. Januar 2013 / 13:16 Uhr

    Jaa ich hab die Ehre den ersten Kommentar hier zu hinterlassen :)
    Finde den Blog ja echt eine gute Idee und da ich selbst neu bin, ist das sogar hilfreich! Was du als toll und praktisch empfunden hast, finde ich aber auch irgendwie mühsam… Da hat man vielleicht mal tolle Leute kennen gelernt und dann erfährst du, dass du nächstes Semester wieder keinen einzigen Kurs mit ihnen hast. Gut, du kannst natürlich deine neuen Freunde auch ausserhalb der Uni treffen, aber wenn man eher von der schüchternen Seite ist, kann es wirklich Überwindung brauchen, andere Leute jedes Semester wieder neu anzusprechen. Ich bin ja selbst normalerweise nicht die verschlossenste Person, aber das ganze war dann doch ein kleiner Kulturschock :) Naja, vielleicht muss man sich da einfach von den alten Gymizeiten lösen und ins kalte Wasser springen :D Immerhin: Wenn niemand für dich dabei ist, dann mischen sich die Karten nächstes Semester ja bereits neu!

  2. Nina
    Fr, 11. Januar 2013 / 07:42 Uhr

    Die Karten mischen sich ja nicht bei jedem jedes Semester neu. Allerdings hat eine fixe „Klasse“ (wie bei kleinen Studienfächern) wahrscheinlich auch ihre Vorteile. Auch ich bin an der Phil.-Hist. Fakultät eingeschrieben. Doch die ständige Durchmischung macht es auch nicht unbedingt einfacher.
    Und jetzt – nach dem 5.Semester – muss ich sagen, bin ich doch sehr zufrieden mit meinen Bekanntschaften und einzelnen wichtigen Freundschaften. Wie ich zu diesen Freunden gekommen bin? Trotz gewisser Anstrengungen, es war in erster Linie Glück. –
    Ich denke, es ist wichtig sich etwas Zeit zu lassen und sich persönlich nicht zu forcieren möglichst schnell die perfekten Uni-Basel-Freunde zu finden :) .

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