Einen Tag als Häfelipraktikantin

Alle Medizinstudierenden müssen irgendwann mal ein Pflegepraktikum, das sogenannte „Häfelipraktikum“, absolvieren. Viele tun es schon vor Studienbeginn. Ich arbeite jetzt  zwischen dem dritten und vierten Semester in einem kleineren Spital in Basel. Wie meine Tage dort so aussehen und was genau meine Aufgaben sind, lest ihr hier.

05:45 Gnadenlos klingelt mein Wecker. Ich denke an all meine Mitstudierenden, die ihre Ferien geniessen und ausschlafen können. Doch es hilft nichts, ich muss aufstehen!

06:50 Ich komme im Spital an und werde von vielen anderen Mitarbeitenden, die mir im Korridor über den Weg laufen, mit einem freundlichen „Guete Morge“ begrüsst. Mein Gute-Laune-Faktor, der sich so früh morgens eher tief unter dem Tagesdurchschnitt befindet, beginnt zu steigen. Mit dem Lift geht’s nach unten in die Garderobe. Dort ziehe ich mir die weisse Überkleidung an, die alle Pflegenden tragen. Praktisch, so fällt morgens wenigstens das „Ach, was ziehe ich für den heutigen Arbeitstag denn an“ weg.

07:00 Auch im Stationszimmer werde ich sehr freundlich von meinen KollegInnen empfangen. Viele sind schon mit dem Lesen der Krankenakten beschäftigt. So sind wir alle auf dem aktuellsten Stand, was das Befinden unserer Patienten angeht. Auch ich schnappe mir eine und setze mich zu meiner Kollegin, die ich heute begleiten soll.

07:10 Der Nachtdienst erzählt uns, was während der Nacht so vorgefallen ist. Ich höre mir das Ganze an und bin doch froh, dass ich in meinem Bett ruhig schlafen durfte.

07:20 Zu zweit beginnen wir mit der Arbeit und gehen durch die Zimmer, für deren Bewohner wir heute zuständig sind. Wir messen Blutdruck, Puls, Temperatur und fragen nach den aktuellen Schmerzen. Anschliessend  tragen wir die Werte in die Krankenakten ein: Schliesslich muss alles sorgfältig dokumentiert werden!

08.10 Kaffeepause: Ein bisschen Klatsch und Tratsch muss auch sein : )

8.30 Visitenbeginn: Die Stationsärzte kommen zu uns. Auch mit ihnen machen wir einen Rundgang durch die Zimmer und ergänzen Angaben der Patienten. Die Ärzte kontrollieren den Heilungsfortschritt der Operationswunden und sagen, wie es mit den Patienten weiter geht.

09:00 Ich helfe einigen Patienten bei der Morgentoilette. Dabei habe ich Zeit, mich mit ihnen zu unterhalten. Viele erzählen mir, warum sie hier sind, von ihren Hoffnungen und Wünschen. Gleichzeitig erfahre ich auch, was es heisst, für längere Zeit als Patient im Krankenhaus bleiben zu müssen.

13:00 Während dem Mittagsrapport werden die verbleibenden Aufgaben aufgeteilt. Bereits jetzt findet die Übergabe an den Spätdienst statt.

13:30 Zusammen mit unserem Zivi und einer anderen Praktikantin bereite ich die Dokumente für die Eintritte des nächsten Tages vor, immer wieder werden wir von klingelnden PatientInnen unterbrochen. Ich helfe da und dort jemandem beim Aufstehen, bringe einen Nachttopf ins eine oder andere Zimmer (daher auch der wunderschöne Name „Häfelipraktikum“) und unterhalte mich mit den PatientInnen über dies und das.

14:25 Eine unserer am Morgen eingetretenen Patientinnen darf in den OP. Gemeinsam mit einem meiner Kollegen bringe ich sie nach unten. Unterwegs versuchen wir, die sehr nervöse Patientin vor ihrer Operation zu beruhigen. In der OP-Schleuse angekommen, helfen wir den Kollegen von der Anästhesiepflege mit dem Umlagern.

15:45 In einer kurzen Feedbackrunde besprechen alle Stationsmitarbeitenden den heutigen Tag. Wie hat die Zusammenarbeit funktioniert? Was war besonders gut? Wir schweifen ab und unsere Stationsleiterin erzählt uns kleine Anektoten, wie es vor 25 Jahren in der Pflege war.

15:55 Heute endet mein Arbeitstag bereits fünf Minuten früher – ich mache mich ziemlich müde auf den Heimweg.

 

Mehr über das Medizinstudium findet ihr hier.

2 Kommentare

  1. benjamin
    Mi, 12. Februar 2014 / 11:44 Uhr

    hehe das erinnert mich auch gerade an mein Häfelipraktikum :-)
    viel spass noch !

    lg Benjamin

  2. C.
    Do, 31. März 2016 / 00:51 Uhr

    Im Kinderspital hat es ganz anders ausgesehen: Krankenakten gehen dich nichts an („Datenschutz“), du bist zu unqualifiziert um Fieber zu messen und wirst von den Pflegenden wie der letzte Dreck behandelt. Jeden Tag musste ich mir denken: Wir werden uns in Zukunft nochmal begegnen, warte nur ab… ;)

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