Die Wikipedia-Frage

Wackeliges Wissen

Darf man Wikipedia fürs Studium verwenden oder nicht? Die Wikipedia-Frage ist eine schwierige Frage. Fünf Millionen Artikel auf Deutsch oder Englisch und wir dürfen sie nicht benutzen?

Denn das wird während den ersten Semestern an der Uni häufig ja wiederholt – dass Wikipedia im akademischen Umfeld tabu ist.  Alternativen zur Online-Enzyklopädie sind mit viel Aufwand verbunden. Entweder man kennt gerade das passende fachspezifisches Online-Lexikon oder man radelt in die UB. Kein schöner Gedanke!

Und weil es an Alternativen mangelt, weil unsere Faulheit, bzw. unser Streben nach effizientem Arbeiten so gross ist, hat sich ein Kompromiss herausgebildet: Wir benutzen Wikipedia, aber nur für den „ersten Überblick“. Die Dozentin spricht über die Mandschurei-Krise? Wikipedia weiss, wo die Mandschurei liegt und wer sich darum gestritten hat. Ein kurzer Überblick, dann steigen wir sofort auf seriöse Literatur um.

So weit kommt es natürlich oft gar nicht. Vielleicht sieht man schon nach drei Zeilen, dass die Manduschrei-Krise  gerade nicht wichtig ist. Also schaut man sich die Fotos an, liest noch schnell,  wer anfgefangen hat, wer gewonnen hat und hört dann wieder der Dozentin zu. Alles, was man sich zum Thema merken wird, sind die obersten paar Sätze. Und da liegt auch der Hund begraben. Wenn man sich nur oberflächlich informiert, verlässt man sich umso mehr darauf, dass die Informationen korrekt sind. Ansonsten eigent man sich einen Haufen Halbwissen an.

Eine einfache Antwort hat auch die Expertin nicht. Gemäss Renate Leubin, sie  ist unter anderem für die Informationskompetenz-Kurse der UB zuständig, hängt es vom Fach ab, „ob und in welchem Masse Wikipedia erlaubt ist“.

Wenn es auch keine allgemiengültigen Regeln gibt: Es lohnt sich auf jeden Fall, sich selber über die Schulter zu schauen und den eigenen Wikipedia-Konsum kritisch zu hinterfragen. Wie oft schaut man etwas nach und was macht man dann damit? Wie wackelig ist das Fundament des eigenen Wissens?

1 Kommentar

  1. Nando Stöcklin
    Fr, 16. Januar 2015 / 09:24 Uhr

    „Ich sehe keinen Grund, die Wikipedia gesondert von anderen Enzyklopädien zu betrachten. Vergleichstests haben gezeigt, dass etwa in gedruckten allgemeinen Enzyklopädien ebenso viele Fehler zu finden sind wie in der Wikipedia. Die Frage müsste also lauten: Dürfen Enzyklopädien für wissenschaftliche Arbeiten verwendet werden. Meine Haltung dazu: Enzyklopädien beschreiben Informationen, die anderswo schon beschrieben sind. Entsprechend sind die Quellen der Enzyklopädien den Enzyklopädien selbst vorzuziehen, um erstens eine Fehlerquelle auszuschliessen und zweitens den Erstautoren durch Zitation gerecht zu werden. Allerdings halte ich nichts von einem generellen Enzyklopädie-Zitier-Verbot. Beispielsweise kann eine Definition oder eine Zusammenstellung von Beispielen eine Eigenleistung einer Enzyklopädie sein, die auch zitiert werden darf und soll.
    Sinnvoller als Verbote erscheint mir den kompetenten Umgang mit der Wikipedia zu fördern. Dazu kann etwa die Plattform http://www.wikibu.ch hilfreich sein, die sich speziell an Schulen richtet.“

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