Der Röstigraben – mein Leben auf der anderen Seite

Wir dürfen euch ein neues Gesicht in unserem Beast-Team präsentieren. Katharina ist 21, studiert Geowissenschaften und tritt die Nachfolge von Corinne an. Aufmerksame Leser kennen sie vielleicht bereits: Katharina hat schon zwei Gastbeiträge auf dem Beast-Blog geschrieben. In ihrem ersten „regulären“ Artikel für uns erzählt sie euch, wie es ist, in Basel zu studieren und im Jura zu leben.

Erst vor kurzem wurde er wieder stark sichtbar. In den Zeitungen war wieder von ihm die Rede und er war in aller Munde – der Röstigraben. Bei der Abstimmung über die Masseneinwanderung konnte man ihn genau erkennen. Ein Ja in der Deutschschweiz, ein Nein im französischsprachigen Teil der Schweiz. Ansonsten bekommen die meisten vom Röstigraben ja gar nicht so viel mit. Anders ist das bei mir. Denn ich überquere ihn jeden Tag, wenn ihr zur Uni fahre und dann nochmal auf dem Weg nach Hause. Ich wohne nämlich bei Delémont im Kanton Jura.

Doch was sind die Unterschiede zwischen Romandie und Deutschschweiz? Joseph Gorgoni alias Marie-Thérèse Porchet erklärt es euch. Allerdings auf Französisch.

Dass man den Graben überquert, merkt man nämlich nicht nur daran, dass die Leute einen auf einmal mit „Bonjour“ grüssen. Während der morgendlichen Zugfahrt zum Beispiel wird die unsichtbare Grenze sehr deutlich. In Delémont steigen alle Leute aus, zwischen Delémont und Laufen habe ich den Zug oft fast für mich alleine und in Laufen wird’s dann wieder voll und man hört Schweizerdeutsch. Das gleiche am Abend: Full House bis Laufen, Leere, und wieder wenige freie Sitzplätze ab Delémont.

Eigentlich erstaunlich: wieso ist es so ein Ausnahmefall, auf der „anderen Seite“ zu arbeiten oder zu studieren? Ein grosses Hindernis ist natürlich die Sprache. Mich überrascht es immer wieder, dass bei diesen perfekten Voraussetzungen, um eine Sprache zu lernen (Wo findet man schon vier Amtssprachen innerhalb eines Landes?) doch nur so wenige Schweizer mehrsprachig sind. Und die Angst vor den anderen Sprache ist oft gross. Die Deutschschweizer finden Französisch sowieso zu schwierig! Das gleiche bei den Romands: Deutsch klingt zu grob, ist überhaupt viel zu kompliziert. Und wenn man dann Hochdeutsch versteht, heisst das lange noch nicht das Gleiche für Schweizerdeutsch. Und überhaupt, was nützt es?

Ziemlich viel! Und trotzdem finden viele die Idee, in einen anderssprachigen Kanton zu ziehe,n abstrakt. Für mich war die Sprache nur ein Grund mehr, mich dorthin zu wagen! Denn wie kann ich einfacher mein Französisch verbessern, als wenn ich jeden Tag damit konfrontiert bin?

Manchmal ist es natürlich schwierig, denn nicht nur das Gipfeli muss nun als Croissant bestellt werden. Auch mit offiziellen Unterlagen wie der Steuererklärung oder ähnlichem muss ich mich nun auf Französisch befassen. Doch die Leute merken schnell, dass man aus dem anderen Teil der Schweiz kommt und freuen sich darüber. Sie passen ihre Sprachgeschwindigkeit an und wenn gar nichts mehr geht, kramen sie ihr Deutsch hervor. Denn viele Jurassier können Deutsch, zumindest ein wenig. Um das zu hören, muss man sie aber etwas aus der Reserve locken.

Wer also innerhalb der Schweiz eine andere Kultur kennen lernen will und noch dabei sein Französisch verbessern will, der kann sich ja mal überlegen, z.B. im Rahmen eines Praktikums auf die andere Seite des Röstigrabens zu gehen.

 

1 Kommentar

  1. fd
    Mo, 3. März 2014 / 14:39 Uhr

    Da muss wohl „mademoiselle“ etwas besser aufpassen im Alltag. Würde Sie in Basel leben, hätte Sie wohl schon rausgefunden, dass Basel wohl eher auf der fanzösischen Seite des Röstigrabens liegt, und nicht auf der deutschweizerischen Seite. Es gibt hier sogar einen eigenen Röstigraben – Baselland auf der Linie der deutschschweizer, Basel + Speckgürtel auf der anderen. Ein Grabenkampf.

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