BuyAware – Wie nachhaltig ist eigentlich mein Handy?

Von Smartphones produzierter Elektroschrott ist eine grosse Belastung für die Umwelt. Für Konsumentinnnen und Konsumenten ist es aber immer noch schwierig, Informationen über die ethischen und ökologischen Hintergründe ihres Smartphones zu bekommen. BuyAware will mehr Licht in den Elektroniksektor werfen und hat dafür das BuyAware-Rating entwickelt, welches Smartphones nach deren Nachhaltigkeit einstuft. Die Geschichte hinter BuyAware und wie gut dein Smartphone im Ranking abschneidet, erfährst du in diesem Artikel.

Die Geschichte von BuyAware beginnt im Februar 2015. Da fand das Swiss Talent Forum zum Thema Smart Growth und Consumption statt. Wie viele andere der heutigen Teammitglieder nahm auch Jonas Niederberger, Co-Präsident von BuyAware, daran teil und engagierte sich dort in der Policy-Gruppe. Hier entstand die Idee einer Plattform, auf welcher alle gekauften Produkte nach deren ökologischen Fussabdrücken eingestuft werden. So würden die Konsumenten Echtzeitfeedback bezüglich der Nachhaltigkeit ihres Konsums erhalten.

Diese Idee fand bei den Beteiligten grossen Anklang und wurde deshalb nach dem Forum von den interessierten Studierenden mit Hilfe eines Coaches weiterverfolgt. Im ersten Jahr wurde viel Brainstorming betrieben, erinnert sich Jonas. In den einmal pro Monat stattfindenden Sitzungen wurde an der Umsetzung des Konzeptes gefeilt. Schon am Forum war klar, dass eine allumfassende Plattform zu ambitiös wäre. Eine Umfrage ergab, dass den Konsumierenden besonders im Bereich der Elektroprodukte Anhaltspunkte zur Beurteilung der Nachhaltigkeit des Konsums fehlten. Es existieren dort noch fast keine Labels und der Elektronikmarkt sei bezüglich nachhaltiger Produktion noch deutlich intransparenter als andere Märkte. Schlussendlich hat sich das Team von BuyAware für Smartphones entschieden. Schliesslich ist es für viele das wichtigste elektronische Produkt.

Vom Plan zur Umsetzung
Nun da der Plan stand, ging es an die Umsetzung. Als erstes wurde an einem Kriterienraster getüftelt, nach welchem die Smartphones bezüglich ihrer Nachhaltigkeit eingestuft werden sollten. Dafür wurden auch Experten zu Rate gezogen. Entschieden haben sie sich schlussendlich für sechs Hauptkategorien. Diese Kategorien decken je einen Abschnitt des Lebenszyklus eines Elektronikproduktes ab und beinhalten alle für die Kaufentscheidung relevanten Aspekte.

Die sechs Hauptkategorien:

  • Klima und Energie: berücksichtigt den CO2-Fussabdruck und ob die Unternehmen spezifische CO2-Reduktionsziele veröffentlicht haben.
  • Ökologie: berücksichtigt toxische Stoffe, nicht erneuerbare Ressourcen, und Recycling-Aspekte.
  • Konfliktmaterialien: Werden Mineralien aus Konfliktregionen gefördert? Engagiert sich das Unternehmen für eine bessere Lage vor Ort?
  • Arbeitnehmerrechte: Setzen sich die Firmen für bessere Arbeitsbedingungen für die Angestellten ihrer Zulieferer ein?
  • Unternehmenstransparenz: Wie transparent sind die Firmen bezüglich ihrer Produkte, Herstellungsmethoden, Rohstoffquellen etc.?
  • Produktleistung: berücksichtigt die technische Leistungsfähigkeit

Zu jeder dieser Hauptkategorie gibt es Subkategorien, deren Erfüllung beziehungsweise Nichterfüllung auf einer Skala von 0%-100% eingestuft wird. Die Informationsquellen sind jeweils direkt verlinkt. Sind keine Infos verfügbar, kriegt das Kriterium einen Score von 0%. «Wir gehen davon aus, dass die Firmen ein Interesse daran haben, vorhandenes nachhaltiges Verhalten auch zu kommunizieren. Geschieht dies nicht, nehmen wir an, dass das nachhaltige Verhalten nicht vorhanden ist», so Jonas. Ihnen sei aber auch bewusst, dass kleineren Herstellern zum Teil auch einfach die Ressourcen fehlen, um einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen.

Die für das Ranking verwendeten Informationen bezieht BuyAware alle aus dem Netz. Natürlich könnte ein interessierter Konsument das auch selbst tun. Aber wer setzt sich schon mehrere Stunden hin, um an die nötigen Hintergrundinfos zu kommen? BuyAware nimmt einem diesen Suchprozess ab und liefert dabei erst noch ein Ranking, mit dem man verschiedene Smartphones vergleichen kann.

Samsung, iPhone oder doch lieber ein Fairphone?

Mein Samsung Galaxy S8 schneidet mit einem Gesamtscore von 50% nicht gerade gut ab. Der durch die Darstellung mittels Spider-Web sehr anschauliche Vergleich mit dem Spitzenreiter Fairphone 2 und dem zweitplatzierten iPhone 8 zeigt, dass das S8 besonders bei der Transparenz schlecht aussieht.

Mein Handy wegen dessen schlechten Ratings wegwerfen und dafür ein Fairphone 2 kaufen, sei aber nicht im Sinne des Erfinders. Lieber solle man sein aktuelles Smartphone möglichst lange behalten, meint Jonas. Auch der Kauf eines Occasion-Gerätes sei eine gute Alternative zu einem neuen, dafür ökologischem Gerät.

Junges, ambitioniertes Team vs. komplexes, wachsendes Problem
Die Entwicklung von BuyAware ist beeindruckend, wie ein Blick auf die Meilensteine verrät. Zu diesen zählen der erste Platz bei der BOOST Sustainability Challenge der Universität Basel, verschiedene Auftritte an Nachhaltigkeitsveranstaltungen und kürzlich auch ein TEDx Talk.

Das alles leistet ein siebenköpfiges Team, dessen Hauptbeschäftigung eigentlich das Studieren ist. Doch die Arbeit mache Spass und das positive Feedback sporne zusätzlich an. “In einem motivierten Team kann man viel erreichen und vor allem lernen”, meint Jonas. Weil es gerade so gut laufe, werde das Team diesen Sommer auf ungefähr 14 Personen verdoppelt. BuyAware sei gerade an einem Punkt, an dem sich viele Türen öffnen.

Für die Zukunft wünscht sich BuyAware, mit seinen Ratings noch näher an die Konsumenten heranzukommen und dadurch deren Kaufentscheidung noch stärker zu beeinflussen. Ich bin überzeugt, das dies bald der Fall sein wird. In der Zwischenzeit lohnt sich ein Besuch der Webseite, damit man spätestens beim nächsten Kauf eine reflektierte und hoffentlich nachhaltige Kaufentscheidung treffen kann.

Dominik Meier

Dominik Meier studiert Psychologie und Wirtschaft und das Hauptproblem im Studium prägt auch seine Freizeit: zu viele Interessen, zu wenig Zeit. «Optimieren!», schreit dabei der Ökonom in ihm, worauf der Psychologe entgegnet: «Zielkonflikte lassen sich nun einmal nicht vermeiden.» So gleicht sein Leben manchmal eher einem Jonglierakt als einem rational gelösten Optimierungsproblem. Nicht immer optimal, aber garantiert nie langweilig!

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