«Braucht mein Kuscheltier einen Gips?» Zu Besuch beim Teddybär-Spital

Bild: Teddybär-Spital Basel (Archiv)

Ein Krankenhausaufenthalt ist für niemanden ein Zuckerschlecken und erst recht nicht für Kinder. Röntgenbilder, Untersuchungen sowie Blutabnahmen jagen den Kleinen schnell Angst ein und doch sind sie für die Diagnostik unverzichtbar. Das Teddybär-Spital Basel versucht den Kindern genau jenes Angstgefühl zu nehmen, indem die Kleinen zusammen mit ihren Plüschtieren einige Stunden lang Dr. Ted kennenlernen. Dr. Ted? Noch nie von ihm gehört? Hier erfährst du mehr:

«Normalerweise findet das Teddybär-Spital an zwei Tagen im Jahr statt. Pro Halbtag kommen zwei Kindergärten oder auch Schulklassen bis zur dritten Klasse vorbei, die dann mit Dr. Ted und ihren mitgebrachten Stofftieren den Postenlauf absolvieren», erzählt mir Núria Zellweger, die Vizepräsidentin vom Teddybär-Spital Basel. Seit drei Jahren ist sie bereits Feuer und Flamme für dieses Projekt.

Im Kindergarten beschäftigen sich die Kleinen bereits vor dem grossen Tag im UKBB mit dem Thema Krankenhaus und Kranksein. Zuhause wählen sie ein Plüschtier aus, welches sie in das Kinderspital mitnehmen. Für das Kuscheltier dürfen sie sich zudem eine Krankheit ausdenken, die im Teddybär-Spital behandelt werden soll. «Die Kinder schlüpfen sozusagen in die Rolle der Eltern», erklärt mir Núria: «Die Teddys haben nicht selten sogar mehr als ein medizinisches Problem. Zum Beispiel: Der Elefant hat seinen Rüssel gebrochen, seit dem Morgen Bauchschmerzen und ausserdem hustet er wie verrückt. Die Kinder stecken wirklich voller Fantasie!»

Núria Zellweger | Bild: zVg

Dr. Ted
Im Teddybärenspital lernen die Kinder ihren persönlichen Dr. Ted kennen. Dr. Teds sind Medizinstudierende, welche jeweils ein oder zwei Kinder während dem Teddybär-Spitalaufenthalt unter ihre Fittiche nehmen. Zusammen verfolgen sie ein Ziel: Das Plüschtier wieder gesund zu machen.

Wie man einen Teddy heilt:

Die Anamnese:
Zuerst bekommen die Kinder einen Teddy-Ausweis, welchen sie mit Grösse, Gewicht, Alter, Farbe und Grund für den Arztbesuch ausfüllen können. Dafür müssen sie viele anamnestische Fragen beantworten, wie zum Beispiel: Hat der Tiger Schmerzen? Wo genau, in den Pfoten? Wie fest? Wann am meisten? Oder: Hat das Nashorn Fieber? War es früher schon einmal beim Arzt?

Der Status:
Danach muss das Stofftier natürlich untersucht werden! Dabei dürfen die Kinder aktiv mithelfen: Sich die Hände desinfizieren, mit einer roten Watte gefüllten Spritze Blut abnehmen, Blutdruck messen, Reflexe testen, in den Mund schauen oder sogar impfen! Dr. Ted stellt zusätzlich noch immer einige andere Fragen: «Wurde dir auch schon einmal Blut abgenommen? Weisst du, was der Arzt mit deinem Blut macht?» Auf spielerische Art und Weise wird so den Kindern medizinisches Wissen vermittelt und erklärt, was man alles im Blut untersuchen oder an welchen Stellen man Fieber messen kann.

Ausserdem gibt es einige sehr einfache Techniken, um die Untersuchungen lebendig zu gestalten. Beim Abhören des Herzes klopft Dr. Ted unauffällig einen Herzrhythmus unter dem Tisch oder auf den Rücken des Teddys. Ausserdem können einem Kind unbemerkt EKG-Elektroden aufgeklebt, während gleichzeitig am Teddy welche angebracht werden. So erwacht jedes Plüschtier zum Leben!

«Einige Kinder sind am Anfang sehr schüchtern und brauchen etwas mehr Zeit, um sich auf das Ganze einzulassen. Um das Eis zu brechen, helfen Fragen zu ihrem Teddy, wie er denn heisse oder ob es das Lieblingsplüschtier sei», verrät mir Núria ihre Tricks. «So richtig loslassen und spielerisch mit dem Thema umgehen können die Kinder erst dann, wenn ihnen bewusst wird, dass nicht sie an diesem Tag Patient sind, sondern dass der Teddybär im Mittelpunkt steht.»

Bildgebung:
Das Teddybär-Spital ist ein gut ausgerüstetes Krankenhaus! Hier gibt es auch Röntgen, MRI und Ultraschall. Die Kinder dürfen die (selbstgebastelten) Geräte selbstständig bedienen und dann zwischen verschiedenen Bildern aussuchen, welche das Röntgen ihres Kuscheltieres ist. Einige haben Knochenbrüche, das muss sofort im Gipszimmer behandelt werden. Andere entdecken bei ihrem Teddy eine Schwangerschaft, wobei die Differenzialdiagnose ‚Würmer im Bauch‘ nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann.

Auf Fragen, ob es dem Teddy gut gehe oder ob er wohl Angst habe, reagieren die Kinder immer sofort, indem sie ihr eigenes Plüschtier beruhigen. Ihm über den Kopf streichen und erklären, wieso es diese Blutabnahme braucht und dem Teddy versichern, dass er ganz tapfer sei. Wirklich rührend.

Therapie:
Nachdem feststeht, was dem Plüschtier fehlt, braucht es noch die Therapie! Es kann genäht und gegipst werden oder vielleicht braucht es noch einen Besuch in der Pharmazie? Die Kinder dürfen in der Apotheke bei Pharmaziestudierenden die Medikamente für ihren Teddy selbstständig verschreiben und zwischen bunten Sternchen, Herzchen sowie Blümchen aussuchen. Die Möglichkeit eines Zahnarztbesuches bei Zahnmedizinstudierenden ist im Teddybär-Spital natürlich auch gegeben. Hier werden die Löcher mit Röntgenbildern und Modellen sichtbar gemacht und sofort gestopft. Am Ende des Tages wissen aber alle kleinen Mediziner, dass gutes Zähneputzen die beste Prävention ist.


Einige Eindrücke aus dem Archiv des Teddybär-Spitals Basel:


Nicht nur der Teddy ist krank
«Während dem Postenlauf erzählen die Kinder manchmal sehr persönliche Erfahrungen, die sie im Krankenhaus bereits gemacht haben. Sie reden von ihrer eigenen Krankheit oder von Menschen, die sie kennen», verrät mir Núria. «Das sind berührende Geschichten. Einmal unterhielt sich eine ganze Kindergartengruppe über jemanden, der an Leukämie erkrankt sei und deshalb an jenem Tag nicht dabei sein konnte. Das war sehr eindrücklich, wie die Kinder damit umgegangen sind.»

Das Teddybären-Spital macht die Welt ein Stückchen besser
«Wenn ich gross bin, möchte ich Arzt werden», ist ein Satz, den Núria im Teddybären-Spital oft hört. Diese zwei Tage im Jahr seien aber nicht nur für die Kinder speziell, sondern auch für all jene, die sich im Projekt engagieren oder als Dr. Ted mithelfen. Am Ende des Tages haben beide Parteien dazu gelernt und ihren Horizont erweitert. Die Kinder gehen hoffentlich mit weniger Angst vor dem Krankenhaus und mit ganz viel Masken, Handschuhen sowie kleinen Sternchentabletten nach Hause, während den Studierenden herzerwärmende Erinnerungen bleiben. Falls dich dieses Projekt interessiert und du gerne mitmachen möchtest, dann melde dich hier!

Mich macht es glücklich zu wissen, dass es das Teddybär-Spital gibt.

Josefin Kaufmann

Mit viel intrinsischer Motivation studiert Josefin Kaufmann Medizin; der Schlüssel zum Erfolg ist der Kaffee. Bunt gekleidet, oft zu spät, immer am Lachen. Obwohl sie es geniesst, Köstlichkeiten zu schmausen, befindet sich oft nur Licht und Senf in ihrem Kühlschrank. Auf dem Fahrrad recht gefährlich unterwegs, sind Sonntagsfahrer und rote Ampeln ihr ein Dorn im Auge. Fahrradhelm ist aber ein Muss, Medizinstudium sei Dank.

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