Aus dem Sattel an die Uni und wieder zurück

Ich habe mich kurz vor Beginn des Frühjahrssemester mit einer angehenden Studentin getroffen, die ganz besondere Sorgen in Hinblick auf den Semesterbeginn hat. Fiona Meier, 21, hat nämlich eine besonders zeitraubende Passion – sie ist Springreiterin – und zwar eine richtig gute! Letztes Jahr hat sie die Bronzemedaille an der Jugend-EM gewonnen und wurde soeben ins Elitekader der Schweiz aufgenommen.  Für mich Grund genung, mit ihr über den Reitsport und die Uni zu sprechen.

Fiona, die ganz klassische Frage zu Beginn: Wie bist zum Springreiten gekommen?
Wir hatten zu Hause immer eigene Pferde. Meine Eltern reiten beide. So bin ich schon ganz jung damit in Kontakt gekommen. Meine Mutter hat mir zwar immer gesagt, ich müsse zuerst richtig Dressurreiten lernen. Das hat mir aber von Anfang an nicht wirklich zugesagt, Springreiten ist einfach viel spannender!

Und warum hast du dich ausgerechnet für ein Studium der Medienwissenschaften und Kulturanthropologie entschieden? So viel hat das ja nicht mit Pferden zu tun.
Ich habe sehr lange überlegt, welches Fach ich studieren soll. Ich wusste, dass ich an die Uni möchte, aber so etwas Spezifisches wie Medizin oder Jura hat mir nicht zugesagt. Ich wollte lieber breitere Fächer wählen, in denen ich später viele verschiedene Berufsmöglichkeiten habe. Für Medienwissenschaften habe ich mich entschieden, weil ich sehr gerne schreibe und lese. Journalistin ist mein Traumberuf.

Klar, hätte ich auch Bereiterin werden können [Ein/e Bereiter/in bildet Pferde aus; Anm. d. Red.], allerdings hätte ich da auf einen Hof gehen müssen und hätte womöglich meine eigenen Pferde nicht mitnehmen können. Die habe ich ja jetzt und kann sie nicht einfach schnell für drei Jahre auf der Seite lassen. Ausserdem denke ich, dass ich als Bereiterlehrling weniger Zeit für den Reitsport hätte, als wenn ich jetzt an die Uni gehe.

Also Journalistin als Plan nach der Reitkarriere?
Nicht unbedingt! Das schöne am Springreiten ist, dass es keine so krasse Altersgrenze gibt wie in anderen Sportarten. Der Olympiasieger im Springreiten vom letzten Jahr ist über 60! Wenn man die richtigen Pferde hat und noch einigermassen fit ist, gibt es eigentlich keine Altersgrenze.  Ich sehe das das Studium eher als Lebensplan B.

Apropos Pferde und Sport: Wieviele Pferde hast du denn? Und wie viel trainierst du pro Tag?
Ich habe momentan vier eigene Pferde. Jedes Pferd reite ich jeden Tag ca. 40 Minuten bis eine Stunde, dann kommt noch der Weg zum Stall dazu. Alles in allem verwende ich ca. sechs Stunden pro Tag für den Sport. Zum Glück habe ich neuerdings jemanden, der mir die Pferde sattelt und parat macht. So kann ich das Ganze etwas effizienter gestalten.

Jeden Tag? Was ist mit Ferien und Wochenende?
Ja, die Pferde müssen wirklich jeden Tag trainiert werden. Man merkt sofort, wenn sie einen Tag nicht geritten wurden. Lange Ferien liegen bei mir nicht drin. Zum Glück habe ich aber meine Mutter, die schon ab und zu mal einspringen kann, so dass ich auch mal Ferien habe. Dafür muss man als Reiterin nicht so asketisch leben wie andere Sportler. Ausgang liegt bei uns schon eher mal drin.

Jetzt zum Beginn der Unizeit, was sind deine grössten Sorgen oder Ängste?
Natürlich die Zeit! Ich mache mir schon Gedanken, wie ich das dann alles schaffen soll. Nachdem ich mir nun den Stundenplan zusammengestellt habe, bin ich zwar ziemlich überrascht, wie viel Zeit fürs Reiten übrig bleibt. Im Gymi war ich deutlich weniger flexibel. Andererseits denke ich schon, dass ich dann während der Prüfungszeit mit dem Reiten etwas zurückstecken und mehr Zeit in die Uni investieren muss.

Sind die Prüfungen wenigstens während der Saisonpause?
Das ist tatsächlich ein Problem im Reitsport. Der ist nicht so studentenfreundlich, denn wir haben eigentlich immer Saison. Im Sommer draussen, im Winter in der Halle. Und die Pferde muss man ja auch immer trainieren.

Eine ketzerische Frage zum Schluss: Passt sich das Springreiten dem Studium an oder umgekehrt?
Ja, das ist schwierig! Also ich denke jetzt zu Beginn muss sich das Springreiten hinter dem Studium anstellen. Mein Ziel ist es wirklich, das Studium abzuschliessen, damit ich später etwas in der Hand halten und auch auf andere Karten setzen kann.

Da wünsche ich dir auf jeden Fall viel Erfolg! Danke für deine Zeit!

 

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