24 Studierende, 10 Nationen, 1 Kurs: Die Summer School in Utrecht

Samuel ist 22 und studiert an der Universität Basel Englisch und Soziologie. Eigentlich, denn diesen Sommer verbrachte er zwei Wochen an der Universität Utrecht und besuchte eine Summer School. In seinem Gastbeitrag erklärt er euch, was eine Summer School genau ist und warum es eine gute Idee ist, sich das Ganze mal näher anzuschauen.

Wie ich dazu kam, in diesen Sommersemesterferien eine zweiwöchige Summer School in Utrecht in den Niederlanden zu besuchen? Nun ja,  mein Unibas-Mailaccount scheint manchmal beinahe zu explodieren. Jeden Tag erhalte ich zahlreiche Newsletter, Rückmeldungen von Leistungsergebnissen oder aktuelle Jobangebote. Zugegeben, gelegentlich tendiert man dazu, manche E-Mails ihrer vermutlicher Unwichtigkeit wegen zu überfliegen oder gar ganz zu ignorieren. In meinem Fall bin ich aber ganz glücklich, diese eine Mail betreffend der Summer School nicht gleich in den Papierkorb gelegt zu haben. Da die Universität Basel und die Universität Utrecht eine relativ enge Partnerschaft pflegen, vergibt die Uni Utrecht nämlich jedes Jahr zwei Stipendien für eine zweiwöchige Summer School an Basler Studierende aus den Seminaren Soziologie, Gesellschaftswissenschaften, Ethnologie und Kulturanthropologie. Da sich verständlicherweise mehr als nur zwei Studierende für dieses Stipendium interessiert haben, sollte dann ein überzeugendes Motivationsschreiben bestimmen, an wen das Stipendium nun vergeben werden sollte. Aller Ansicht nach war ich überzeugend.

Was ist eigentlich überhaupt eine Summer School?
Am ehesten vergleichbar ist eine Summer School wohl mit einem Blockseminar, in dem man Kreditpunkte erwerben kann und welches während den Semesterferien stattfindet. Das Blockseminar fokussiert sich dann meistens auf ein spezifisches Thema in allen möglichen Studienrichtungen. In meinem Fall ging es um die Kultur und Gesellschaft der Niederlanden. Gemäss den Angaben der Universität Utrecht besuchen jedes Jahr ca. 3000 Studierende aus 98 verschiedenen Nationen mindestens eines der zahlreich angebotenen Seminare. Meine Klasse bestand aus 24 Studierenden aus zehn verschiedenen Nationen.

Ein typischer Tag
Ich stehe auf, besorge mir in einem der vielen Läden, die zum Campus dazugehören, ein paar frische Vollkornbrötchen und esse diese dann traditionell Holländisch mit Haagelslag, eine Art Schokoladenstreusel. Ich steige auf mein gemietetes Fahrrad. Das hat zwar nur drei Gänge, ich brauche aber ohnehin nur einen davon, da ja hier alles so flach ist. Das Institut der Geisteswissenschaften befindet sich in der Innenstadt der grössten und bedeutendsten Studentenstadt der Niederlanden und ist somit etwa 15 Minuten vom eigentlichen Campus entfernt. Pünktlich um Zehn beginnt eine Gastdozentin aus Amsterdam eine Vorlesung über die Wirtschaft und Wirtschaftsgeschichte der Niederlanden. Nach einer kurzen Mittagspause diskutieren wir am Nachmittag mit Hilfe unserer vorgeschriebenen Essays, die Teil des Leistungsnachweises sind, über die rechtliche Situation bezüglich Drogenkonsum, Prostitution, Sterbehilfe oder Homosexualität. Die Nachmittagsseminare enden meist um ca. 15 Uhr. Das erlaubt es mir, noch einen kurzen Abstecher zu dem naheliegenden Den Haag oder Amsterdam zu machen. Bevor ich mich im Studentenheim schlafen lege, zeige ich meiner Zimmergenossin aus Hongkong wie man richtig Pasta zubereitet. Sie wollte für ihre Tomatensauce Eier und Ketchup verwenden.

Zugegeben, wären mir die Kurskosten von ca. CHF 1400.- nicht erlassen worden, wäre mein zweiwöchiger Aufenthalt in den Niederlanden schon etwas teuer geworden. Für die Unterkunft, die Lebenshaltungskosten sowie für allfällige Kurztrips kommen letztlich noch ca. weitere CHF 800.- dazu. Dennoch würde ich es jedem, der die Chance dazu hat, den Besuch einer Summer School empfehlen: Nicht nur konnte ich drei Kreditpunkte für mein Studium erwerben und meine interkulturellen Kommunikationsfähigkeiten verbessern, sondern ich hatte auch die Möglichkeit, ein mir bisher noch unbekanntes Land zu besuchen und in einem internationalen Umfeld viele neue Freundschaften zu schliessen. Mein Netzwerk ist auch grösser geworden: Es reicht nun bis nach Tokio. Zudem werden mir die Besuche des Königshauses und der Staudämme, die auch Teil meines Kurses waren, wohl noch ewig in Erinnerung bleiben. Auch die Niederlanden werden mir in mannigfaltiger Weise positiv im Gedächtnis haften bleiben: Für ihre ausgesprochene Toleranz, ihre pragmatische Angehensweise für die Lösung gesellschaftlicher Probleme und natürlich auch für ihre Freude am Fahrradfahren.

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