Wenig Action, viel Detektivarbeit: Das Fach Pathologie unter der Lupe

Bild: Milosz1 | CC BY 2.0

Nachdem ich den ganzen Lern- und Prüfungsstress hinter mir gelassen habe, ging es für mich noch einmal eine Woche zurück an die Universität. Im Rahmen eines Schnupperkurses hatte ich Gelegenheit, eine Woche hinter die Kulissen eines besonderen medizinischen Faches zu schauen: der Pathologie. Bei diesem Wort denken die meisten wohl an Rechtsmedizin, CSI und viel Action. Ein kleiner Realitätscheck.

Ethymologisch betrachtet bedeutet Pathologie „die Lehre von Krankheiten“ respektive „Krankheitslehre“. Sie beschäftigt sich also mit dem Entstehen von Krankheiten und den Vorgängen, die in einem kranken Körper ablaufen: Was genau passiert mit einer Arterie, wenn sie verkalkt? Warum entstehen Tumoren? Ist der verdächtig braune Fleck auf der Haut nur ein harmloses Muttermal oder doch ein bösartiger Tumor (Melanom)?

Hat Pathologie also doch nichts mit Rechtsmedizin und Toten zu tun?
Aussergewöhnliche Todesfälle, Verletzungen nach Gewalteinwirkung Dritter usw. werden in der Rechtsmedizin untersucht. In der Pathologie finden zwar auch Autopsien statt, aber mit der Rechtsmedizin hat die Pathologie trotzdem wenig zu tun.

Wenn ein Patient verstirbt, kann man selten genau sagen, woran er gestorben ist. Eine Autopsie kann da Antworten finden. Wozu der ganze Aufwand? Einerseits ist es für Angehörige beruhigend zu erfahren, wie und woran jemand verstorben ist, zum anderen ist es auch für klinisch tätige Ärzte wichtig, zu wissen, ob man in der Diagnosestellung irgendetwas übersehen hat. Vieles ist von aussen sehr viel schwieriger zu beurteilen, als wenn man sich einen Menschen von innen genau ansehen kann.

Die Autopsie kommt auch lebenden Patienten zu Gute: Aus den Erkenntnissen können wichtige Rückschlüsse für Behandlungen gezogen werden.

Das Mikroskop als Hauptarbeitsinstrument der Pathologen

Was ist der Unterschied zwischen einem Internisten, einem Chirurgen und einem Pathologen? Der Internist hat Ahnung, kann aber nichts. Der Chirurg hat keine Ahnung, kann aber alles. Der Pathologe weiß alles, kann alles, aber zu spät.

Soweit ein bekannter Ärztewitz. Die grösste Arbeitsteil der Pathologen besteht aus der Beurteilung von histologischen und zytologischen Proben lebender Menschen. Gynäkologische Abstriche, Operationspräparate, Biopsien (kleine Gewebeentnahmen) und Körperflüssigkeiten werden in der Pathologie zuerst so verarbeitet, dass man sie unter einem Mikroskop anschauen kann. So kann beispielsweise beurteilt werden, ob ein Hauttumor gut- oder bösartig ist, ob eine Chirurgin bei der Operation eines Brustkrebses wirklich alles tumoröse Gewebe entfernt hat, oder ob sie allenfalls nochmal nachreserzieren muss.

Auch für die Behandlungswahl spielt die Pathologie eine grosse Rolle. In der Molekularpathologie kann zum Beispiel die DNA einer Tumorzelle untersucht werden. Je nach Ergebnis, also der genauen Mutation der Tumorzelle, wird dann das eine oder das andere Medikament zur Behandlung eingesetzt, denn Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs. Was dem einen Patienten sehr viel hilft, kann bei einem anderen völlig nutzlos sein.

Die Molekularpathologie ist ein sehr neues Gebiet und wird in Zukunft in der personalisierten Medizin sicher eine wichtige Rolle spielen.

Mein Fazit nach einer Woche: Die Pathologie ist eine der wichtigsten Disziplinen in der Medizin. Die tägliche Arbeit ist oft wie ein Detektivspiel: Man braucht ein geübtes Auge, ein unglaubliches Wissen, Durchhaltevermögen und Genauigkeit. Die Hilfe der Pathologen ist für viele Diagnostestellungen wichtig, damit mit der richtigen und wirksamsten Therapie beginnen kann – der Witz liegt da also falsch.

 

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