Tabu-Thema: Lohn für Studierende

Bild: Marcel Grieder

„Wie viel Lohn würden Sie sich denn geben?“ Wie wir Studierende auf diese Frage im Bewerbungsgespräch am besten und auch angemessen reagieren, habe ich versucht herauszufinden.

Eigentlich wissen wir alle, dass diese Frage im Bewerbungsgespräch kommen wird. Trotzdem verdrängen wir sie und schieben die Problematik vor uns her – auch weil man nur sehr wenige Anhaltspunkte hat. Doch früher oder später kommt der Moment, an dem man bereut, sich nicht besser vorbereitet zu haben.

Praktika sollten maximal 6 Monate dauern
„Das Wichtigste ist eindeutig gut informiert und vorbereitet zu sein“, so Birgit Müller vom Career Service Center der Uni Basel (CSC). „Es gilt sich schon vor der Stellensuche theoretisches Know-how anzueignen. Wie hoch ist das branchenübliche Salär, was für Zusatzleistungen darf ich erwarten sowie auch die Basics zum Unterschied zwischen Brutto und Netto, dem 13. Monatslohn und weiteren Gratifikationen wollen gelernt sein“, ergänzt die erfahrene Leiterin des CSC. Sie bietet nächstes Semester zum zweiten Mal einen Workshop für Studierende zu Gehaltsverhandlungen an.  Dort könnt ihr die Ernstsituation simulieren und erhaltet viele Tipps und Tricks. (Mehr Infos zum nächsten Workshop am 05.11.2014 unter www.csc.unibas.ch)

Das Hauptproblem für Studierende ist, dass es keine einheitliche Salärstruktur gibt. Die Gehaltsspanne in den Praktika reicht von 0 SFr. bis 5000 SFr. Die Entlohnung variiert auch mit der Form der Anstellung: Praktikanten, Trainees oder Werkstudierende werden unterschiedlich bezahlt. „Grundsätzlich gilt: Länger als sechs Monate sollten Studierende kein Praktikum machen, weil nach dieser Zeitspanne der Arbeitgeber viel mehr profitiert als die Studierenden“, erklärt Müller.

Woher bekomme ich die Informationen?
Das Entscheidende ist also vorbereitet zu sein. Aber woher weiss ich, wie hoch die Marktlöhne sind. Den besten Überblick findet ihr auf berufsberatung.ch, einem Angebot des Schweizerischen Dienstleistungszentrums Berufsbildung, Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung SDBB. Hier könnt ihr je nach Branche schauen, wie hoch euer Salär sein könnte. Auch ein Lohnrechner (z. B. www.lohnrechner.bfs.admin.ch) oder die Lohnstatistiken von Berufsverbänden (www.verbaende.ch) können wichtige Facts liefern.

Wie verhalten sich grosse Arbeitgeber?
Novartis zum Beispiel betont: „Wir verfolgen eine Gehaltspolitik, die sich am Markt und an der individuellen Leistung orientiert; Studierende, die bei Novartis arbeiten können daher mit über dem Marktdurchschnitt liegenden Gehältern rechnen.“
(Praktika für Studierende aus allen Fakultäten gibt es übrigens hier) Bedeutet das dann, dass man Spielraum beim Bewerbungsgespräch hat? „Nicht wirklich“, relativiert Birgit Müller, „Studierende können für Praktika so gut wie nie Ansprüche stellen“.

Gar nicht verhandeln könnt ihr bei der Bundesverwaltung – einer der beliebtesten Arbeitgeber für Hochschulabsolventen mit über 500 Praktikumsplätzen jährlich. Dort steht das Gehalt im Vorhinein fest: Mit einem Bachelorabschluss verdient man 3’732.10 Fr. pro Monat und nach dem Master 4’176.45 Fr. Fakten, die ihr vor der Bewerbung wissen solltet! (Jobs beim Bund findet ihr hier)

Um gut auf die Gehaltsfrage im Bewerbungsgespräch vorbereitet zu sein, kann es auch nicht schaden, im persönlichen Umfeld mal nach Anhaltspunkten zu suchen und somit ein Gespür für das Tabu-Thema Gehallt zu entwickeln.

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