Seoul, das Berlin Asiens

by civ33 (CC BY-NC-SA 2.0)

Die sommerliche Korea-Trilogie, Teil I

Zwischen Thailand, China und Japan verschwindet das kleine Halbinselparadies Südkorea zumeist auf dem Radar der Schweizer Urlauber. Dabei handelt es sich um einen der kulturell interessantesten Flecken des asiatischen Kontinents. Aus eurozentrischer Sicht könnte man gar versucht sein, die Hauptstadt Seoul als das Berlin Asiens zu bezeichnen.

Doch wie kommt jemand überhaupt auf diesen Vergleich? Nun ja, um es kurz zu fassen: Es handelt sich bei beiden Grossstädten (Seoul hat 10 Millionen Einwohner) um hedonistische Hochburgen, deren jüngere Generationen eine stark individualistische, offene und gelassene Gesamtstimmung transportieren. Ob in Cafés, im Park, oder an der Bushaltestelle: neue, anhaltende Freundschaften werden schnell geschlossen.

Die Ungezwungenheit der koreanischen Jugendkultur äussert sich teilweise auch in ihren Filmen. Sei es etwa der Kult-Streifen «Attack of the Gas Station» oder auch der neuere Klassiker «Old Boy»:

Auch musikalisch bietet Seoul viel mehr als der ewige «Gangnam Style». Da gibt es etwa die Scharen an Strassenmusikern im Hongdae Quartier, oder auch Keith Ape, der mit seiner koreanischen Trap-Musik international für Aufsehen sorgt. Zudem lassen sich kleinkünstlerische Perlen wie die Musik der zwei Frauen von Mukimukimanmansu schnell finden:

Die hedonistische Seite Südkoreas enthält sich dabei nicht der älteren Generationen. Im Gegenteil: Regelmässige Ess- und Trinkgelage im Kreis von Freunden oder Mitarbeitenden gehören zu den bürgerlichen Gepflogenheiten dieses Landes. Wer bei solchen feierabendlichen Treffen ausbleibt, kann sich schnell vor einem (inoffiziellen) Kündigungsgrund gestellt sehen. Freunde und Freundinnen des Rausches sowie Feinde des Alkohols seien jedoch gewarnt: Nicht jede Droge ist in Korea gleichermassen toleriert. So kann beispielsweise der Cannabis-Konsum nach einem inquisitorischen Untersuchungsverfahren in vier Monate Untersuchungshaft vor dem eigentlichen Prozess enden.

Hier noch ein kurzer, koreanischer Trinkritual-Knigge:

  1. Der Nationalschnaps heisst Soju und wird shot-weise getrunken.
  2. Es darf nicht selbst eingeschenkt werden.
  3. Wann dir eingeschenkt wird, entscheidet der Einschenkende. Dabei musst du dein Glas in die Hand nehmen.
  4. Dem Ältesten wird zuerst eingeschenkt und zwar mit beiden Händen.
  5. Immer anstossen.

Das (ebenfalls traditionelle) Gegenstück zum Alkoholkonsum stellt wohl die regelmässige Entgiftung im sogenannten «Jjimjilbang» dar. In diesen 24 Stunden geöffneten Badehäusern gibt es verschiedene Mineralbad- und Saunaanlagen. Für etwa sechs Franken darf der Besucher bis zu 12 Stunden darin verweilen. In der Entspannungsecke darf sogar geschlafen werden, sodass sich raffinierte Sparfüchse nicht einmal ein Hostel buchen müssen.

Die weiteren zwei Teile der sommerlichen Korea-Trilogie folgen nächsten und übernächsten Freitag. Wir hören die Geschichte einer Englischlehrerin in Seoul und die Perspektive einer südkoreanischen Germanistik-Studentin.

1 Kommentar

  1. Denise
    Fr, 14. August 2015 / 09:33 Uhr

    Toller Artikel! Macht Lust auf eine Reise dahin :)

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