Mit dem iPad durchs Medizinstudium

Bild: EdTech Stanford University School of Medicine | Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Das Bild im Hörsaal hat sich in den letzten Studienjahren eindeutig verändert: Wo früher noch die guten alten Papierskripte mit den ausgedruckten Powerpoint-Slides ihren Dienst taten, sieht man heute mehr und mehr Tablets und Laptops im Hörsaal. Ich habe nach einem gescheiterten Digitalisierungsversuch im Jurastudium 2011 den Schritt erneut gewagt und mir zu Beginn dieses Semesters ein iPad zugelegt. Hier meine Bilanz nach einigen Wochen:

Gewicht / Platz
Es ist unglaublich praktisch, dass man morgens nur wenig mitnehmen muss: iPad, Eingabestift und schon kann’s losgehen. Das mühsame Ausdrucken der Skripte fällt weg (viele Medizinstudierende abonnieren sich die Skripte vom Skripteservice als Hardcopy, damit spart man sich diesen Schritt). Auch spart man mit dem iPad das Mitschleppen von Büchern in die Bibliothek. Die Uni Basel hat viele medizinische Lehrbücher online lizenziert, so dass man sie über das iPad oder Laptop bequem lesen kann. Nachteil: Skript und Buch gleichzeitig auf nur einem Bildschirm zu lesen, ist nicht sehr praktisch. Da ist es gut, wenn man zusätzlich noch einen Laptop oder das Lehrbuch in guter alter Papierform (das bevorzuge ich sowieso) dabei hat.

Bearbeitung von PDFs
Ein Grund, warum ich das iPad vor einigen Jahren verlassen hatte, war, dass die Apps zur Bearbeitung von PDFs noch sehr unausgereift waren. Diese sind heute um ein Vielfaches besser geworden. Manche verfügen sogar über eine Handballenerkennung, so kann man die Hand beim Schreiben bequem auf dem Bildschirm ablegen. Ich benutze im Moment die App Notability und komme damit sehr gut zurecht. Für mich bietet sie eine sehr gute Anzahl Funktionen. Nicht zu viele, dass man den Überblick verliert. Nachteil: Einzelne Seiten lassen sich nicht drehen. Wer dieses Feature braucht, dem sei beispielsweise GoodReader oder GoodNotes empfohlen.

Digital handschriftlich Notizen machen
Schreibt es sich auf dem iPad ebenso angenehm wie auf Papier? Mit dem einfachen Eingabestift, den ich gekauft habe, klappt das Schreiben auf dem iPad erstaunlich gut. Klar ist es nicht ganz das gleiche Gefühl wie auf Papier, man gewöhnt sich aber sehr schnell daran. PDF-Bearbeitungsapps bieten einem die Auswahl von verschiedensten Schreibgeräten. Farbstift, Marker etc. hat man damit immer und überall mit dabei. Als grossen Pluspunkt erlebe ich auch, dass man Geschriebenes im Nachhinein noch verschieben und neu anordnen kann. Für den Fall, dass es mal schnell gehen soll, habe ich mir auch eine Bluetoothtastatur zugelegt, ich benutze sie in der Vorlesung jedoch kaum, der Stift erscheint mir für Skizzen etc. viel flexibler. Beim Schreiben dieses Textes ist sie aber sehr hilfreich :)

Organisation
Was nützt die bestbearbeitete Vorlesung, wenn man sie später nicht mehr findet? Meine Notizen organisiere ich ebenfalls direkt in der App, mit der ich die PDFs bearbeite. Ich kann verschiedene Ordner erstellen und meine Dokumente dort ablegen. Zusätzlich synchronisiert sich die App automatisch mit meiner Dropbox. Von dort kann ich meine PDFs immer und überall abrufen. Sehr praktisch! Für mich ein Minuspunkt: Beim Lernen empfinde ich es als praktisch, zu sehen, wie viel Lernstoff ich noch bewältigen muss. Mit dem iPad habe ich keine riesigen Papierstapel mehr vor mir liegen, der Lerndruck sinkt also unweigerlich.

Money matters!
Für mein iPad habe ich ca. 550.- bezahlt. Dazu kam noch der Stift für ca. 15.-. Davor habe ich pro Semester für meine ausgedruckten Skripte ca. 300.- bezahlt, schwarz-weiss, versteht sich. Klar hätte ich das auch zu Hause machen können. Mit den Kosten für Drucker und Patrone wäre ich aber sicher auch so auf 150.- pro Semester gekommen, wenn ich mir die Skripte farbig ausdrucken will, entsprechend mehr. Das alles für einen Stapel Papiere, den ich mir nach der Prüfung kaum mehr ansehe. Auf dem iPad habe ich jedes Slide in farbiger Qualität und kann das Skript mit einem Knopfdruck löschen.

Fazit
Mein Fazit nach einigen Wochen ist durchwegs positiv. Ich komme mit dem iPad viel besser zurecht, als ich dachte, und ich glaube durchaus, dass ein fast papierloses Studium heute möglich ist. Als Nachteil empfinde ich aber, dass man mit dem iPad an der Uni seine „Bildschirmzeit“ natürlich immens verlängert. Wer lieber nicht fünf Stunden pro Tag in einen Bildschirm schauen möchte, der sollte lieber beim Papier bleiben.

Habt ihr noch Tipps, wie man das Tablet in der Vorlesung noch besser nutzen könnte?

 

Mehr über das Medizinstudium findet ihr hier.

 

2 Kommentare

  1. Lukas
    Sa, 2. April 2016 / 17:37 Uhr

    Ich habe seit Beginn des Studiums papierlos gearbeitet und es hat sich bewährt!

    Einige Anmerkungen:
    – Für Android empfehle ich die App „LectureNotes“, für Windows Tablets die App „Drawboard PDF“. Beide kosten zwischen 4 und 10 Fr.
    – Ein aktiver Stift (Samsung S-Pen, iPad Pro, Surface-Stif) ist unbedingt nötig, denn mit diesen Stiften kannst du auf dem Bildschirm schreiben als wäre es ein Blatt Papier.
    – Die PDFs immer schön sichern :-) Es empfiehlt sich eine Cloud zu verwenden. Top ist SwitchDrive (25 GB gratis von den Schweizer Hochschulen, sehr guter Datenschutz) oder auch OneDrive von Microsoft (30 GB kostenlos, für Office Besitzer 1 TB).

  2. Patrick
    Mo, 4. April 2016 / 18:02 Uhr

    Ich hätte ein guter Tipp für dich:
    Das iPad Pro mit dem neuen Pencil.

    Es hätte vor allem das Schreiben von Notizen von Hand vereinfacht.

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