Mit Baby in die Vorlesung

Als E., 22, erfahren hat, dass sie ein Kind erwartet, ist sie gerade im 4. Bachelor-Semester. In diesem Frühjahrssemester ist nun ihr Sohn auf die Welt gekommen. Seither sieht man sie oft mit Kinderwagen auf dem Unigelände. Doch wie beeinflusst ein Baby eigentlich das Studileben? Darf man einfach so mit Kind in die Vorlesung? E. erzählte mir von ihren Erfahrungen der ersten zwei Monate als Studentin mit Kind.

Was war dein erster Gedanke bezüglich deines Studiums, als du erfahren hast, dass du schwanger bist?
Ich dachte, alle würden mich sicher anstarren. Oder mich abschätzig anschauen. Davor hatte ich Angst.

Und wie fiel dann letztendlich die Reaktion deiner Mitstudenten aus?
Überraschend positiv. Zuerst waren viele schon ein bisschen geschockt, aber eigentlich waren alle mega lieb. Und letztendlich haben sich dann alle mit mir aufs Baby gefreut.

Hast du jetzt dein 6. Semester anders geplant, da du jetzt ein Kind hast?
Das war ja mein letztes BA-Semester. Ich hatte zum Glück viel vorgearbeitet und musste nicht mehr viel machen. Und für meine wenigen Prüfungen habe ich einfach früher angefangen zu lernen. Natürlich habe ich teilweise Vorlesungen verpasst. Aber meistens habe ich meinen Sohn einfach mitgenommen. Alles in allem war es nicht so schlimm, wie ich zuvor gedacht habe.

Was machst du mit deinem Sohn, wenn du Vorlesungen hast?
Bei einer Vorlesung hatte ich das Glück, dass zwei Kommilitonen Freistunde hatten und auf ihn aufgepasst haben. Und sonst habe ich ihn, wie gesagt, mit reingenommen. Aber er braucht halt schon viel Aufmerksamkeit. Wenn er zum Beispiel Hunger bekommt, gehe ich raus zum Stillen. Aber ich denke trotzdem, dass ich das Wichtigste mitbekommen habe. Teilweise hat er aber vielleicht die Mitstudierenden abgelenkt.

Wie reagierten die Professoren auf das Baby in der Vorlesung?
Zuerst waren die meisten überrascht, obwohl ich es normalerweise zuvor angemeldet habe. Die Reaktionen an sich waren jedoch durchweg positiv. Sie haben sich gefreut, dass ich trotz Kind komme. Und alle haben gesagt, es sei kein Problem, wenn ich ihn mitnehme. In einer Vorlesung hat mein Professor zuerst gar nicht bemerkt, dass mein Sohn dabei ist, weil er die ganze Zeit geschlafen hat.

Wie könnte die Uni das Leben für junge Studentenmütter erleichtern?
Mit einer Wickelmöglichkeit! Wenn man aber ein bisschen anpassungsfähig ist, findet man auch so Möglichkeiten.

Was hast du vor, wenn das Kind grösser wird?
Also wenn er mal regelmässig isst und nicht mehr gestillt wird, dann wird wahrscheinlich meine Mutter auf ihn aufpassen. Wenn ich aber mal für zwei Stunden an die Uni muss, würde ich ihn eventuell trotzdem mitnehmen. Das sehe ich dann. Eigentlich hat er Abwechslung gerne und zu Hause wird ihm schnell langweilig.

Was empfindest du als grösste Herausforderung beim Studieren mit Baby?
Das Lernen ist schwierig. Immer wenn ich denke, jetzt hab ich mal Zeit zum Lernen, dann braucht er wieder was. Ich kann immer nur rund eine halbe Stunde am Stück lernen und nicht länger. Ausserdem läuft mir manchmal die Zeit davon, wenn ich eine Arbeit bis zu einem bestimmten Datum schreiben muss. Man muss lernen, nicht auf den letzten Drücker anzufangen. Gerade am Anfang hat mir der Schlaf gefehlt. Man muss eben immer parat sein.

Was denkst du allgemein über die Studierendenzeit als Zeitpunkt, um ein Kind zu bekommen?
Ich habe es zwar nicht geplant, aber im Nachhinein finde ich es schon toll, dass ich jetzt ein Kind habe. Wenn man später mal arbeitet, ist es ja auch ein schlechter Zeitpunkt, um ein Kind zu haben. Da ist mein Sohn dann schon älter und es wird für mich einfacher. Ich muss dann keine lange Arbeitspause machen. Aber man ist natürlich jetzt nicht mehr so frei. Ich kann zum Beispiel auch nicht einfach ein Praktikum machen. Das ist etwas blöd. Aber irgendwie geht das schon.

 

Informationen über das Studium mit Kind an der Uni Basel findet ihr hier.

 

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