Microadventures – Abenteuer für alle!

Schon lange wieder mal Lust auf ein richtiges Abenteuer, aber dir fehlt die Zeit, die Motivation oder eine gute Idee? Dann jetzt unbedingt weiter lesen! Das Abenteuer ruft!

Als Alastair Humphreys Mitte 20 sein Studium abschloss, wollte er noch etwas Aussergewöhnliches erleben, bevor er sich für den Rest seines Lebens dem Beruf des Lehrers widmet. Also plante der gebürtige Engländer einen vierwöchigen Fahrradtrip durch England. Aus den geplanten vier Wochen wurden vier Jahre. Die 74 000 zurückgelegten Kilometer führten ihn durch 60 Länder.

Humphreys schmiss den Plan des Lehrerdaseins hin und startete eine Karriere als Abenteurer. Seither hat er die Welt nicht nur mit dem Velo, sondern auch mit dem Ruderboot, zu Fuss und auf Skiern entdeckt. Er hat mit einem Freund den Atlantik in einem Ruderboot überquert, durchquerte die grösste Sandwüste der Erde (zu Fuss), und bereitete sich in Grönland auf die Wiederholung der berühmten Scott Expedition vor.

Definitiv ein Mann der Extreme, da passt das Wort Mikro so gar nicht ins Bild. Doch mit dem Konzept der Mikroabenteuer will Humphreys die Welt der Abenteuer auch «normalen» Leuten zugänglich machen. Denn die meisten Menschen verspüren einen Drang nach Abenteuer, doch meist scheitere es an der Umsetzung, so Humphreys.  Diese Hürde sollen die Microadventures umgehen. Sie sollen trotz minimaler Vorbereitung und Voraussetzungen den Wow-Effekt eines richtigen Abenteuers vermitteln.  Abenteuer light sozusagen.

Student 9 to 5, Abenteurer 5 to 9
Mikroabenteuer kann man ganz einfach vor oder nach einem normalen Arbeitstag durchführen, also zwischen fünf Uhr abends und neun Uhr morgens (plus-minus). Als ich die oben verlinkten Videos zu Humphreys Abenteuer geschaut habe, hat auch mich die Abenteuerlust gepackt. Und dank der leichten Durchführbarkeit der Mikroabenteuer steht dieser Lust nichts mehr im Wege. So klingelte an einem Mittwochmorgen der Wecker etwas früher als sonst. Ein morgendlicher Sprung in den Rhein steht als erstes Mikroabenteuer auf dem Plan.

Und plötzlich steht doch etwas zwischen mir und meiner Abenteuerlust. In meinem Bett ist es schön warm, draussen hat es laut Handy nur knapp neun Grad, der Rhein soll mit elf Grad zumindest etwas wärmer sein. Würde ich nicht diesen Artikel schreiben, hätte ich mich wohl einfach wieder hingelegt. Doch Beast-Blog sei Dank stand ich eine Viertelstunde später in Badehosen und etwa so verschlafen wie ungläubig vor dem kalten, nassen Rhein.

Jetzt oder nie, dachte ich und wagte den Sprung Schritt in den Rhein. Einmal kurz runtertauchen und kräftig schütteln. So schnell ich drin war, war ich auch wieder draussen, an der selben Stelle stehend. Nun hellwach, aber immer noch etwas ungläubig. Die von der kälte schmerzenden Beine bekräftigen mich in der Annahme, dass dies kein Traum ist. Wieder in Kleidern wandelte sich der nagelnde Schmerz in eine wohltuende innere Wärme um und der Sonnenaufgang zeigte sich von seiner schönsten Seite.

 

Übernachtung im Freien
Nach diesem geglückten Auftakt wagte ich mich an etwas Grösseres: eine Übernachtung im Freien. Ein Klassiker unter den Mikroabenteuern, welcher deshalb in diesem Bericht nicht fehlen darf. Und so fuhr ich zusammen mit meinem Freund Aron an einem Donnerstagabend um sechs Uhr los nach Muttenz, um dort im Wald zu übernachten. Im Gepäck ein Schlafsack und etwas zu Grillieren. Bier sei laut Humphreys auch keine schlechte Idee, und Ratschläge sollte man ja bekanntlich befolgen.

Auf Google Maps haben wir das Gelände vorinspiziert, ein Wald mit angrenzender Lichtung war das Ziel. Vor Ort haben wir zum Glück schnell eine passende Stelle mit naheliegender Feuerstelle gefunden. An der am Wald angrenzenden Lichtung legten wir unsere Schlafsäcke aus. Die Sorge über den fehlenden Komfort des Schlafplatzes war schnell vergessen, denn jetzt war Feuer machen angesagt. Es lief alles wie am Schnürchen: Als es eindunkelte, sassen wir mit vollem Magen am wärmenden Lagerfeuer. Nun waren wir die einzigen im Wald.

Doch das nach Schritten tönende Rascheln im Laub in der Nähe der Feuerstelle widerlegte unsere Annahme. Der Lautstärke der Schrittgeräusche nach zu vermuten, war da noch ein Mensch oder zumindest ein grösseres Tier. Doch mit der Taschenlampe konnten wir nichts finden. Bei genauem Nachschauen entpuppte sich der Nachtwanderer als Laubfrosch. Da wusste ich noch nicht, dass ich in der Nacht ein paar Mal ähnliche Geräusche hören würde und mir nie sicher sein werde, ob dies nun Rehe, Hasen oder eben doch Laubfrösche waren.

Nach dieser Begegnung blieben wir ungestört, nur die Müdigkeit suchte uns noch heim. Als wir nach dem Aufräumen unser Lager von der Feuerstelle zur Lichtung verlegten, tauchte die Sorge nach dem fehlenden Komfort des Schlafplatzes wieder auf. Doch einmal mehr sorgten die Umstände, diesmal der atemberaubend schöne Sternenhimmel, dafür, dass ich diese Sorge schnell wieder vergass.  Vom Schlafsack und dem Sternenhimmel bedeckt sanken wir schnell in den Schlaf.

Bis wir morgens um halb drei von diesem Geräusch geweckt wurden. Aus dem Tiefschlaf gerissen dachte ich, gleich von einer Horde wild gewordener, von mir durch die Geräusche leider nicht identifizierbaren, Tieren überrannt zu werden. So schnell wie wohl noch nie sass ich aufrecht in meinem «Bett» und versuchte mich aus dem Schlafsack, aus dem nur mein erwartungsvoll in Richtung Lichtung starrendes Gesicht ragte, zu befreien. Es könnte ein Wildschwein sein, meinte Aron, welcher inzwischen auch wach war. Wie zwei Erdmännchen sassen wir aufrecht und nur halb zugedeckt lauschend in unseren Schlafsäcken, jederzeit fluchtbereit, und versuchten das Geräusch zu orten und unsere Distanz davon zu schätzen.

Das Wildschwein befand sich wohl im gegenüberliegenden Wald. Eine Google-Suche beruhigte uns. Wildschweine seien nur gefährlich, wenn sie sich eingeengt fühlen. Dies sollte auf einer Lichtung kein Problem sein. Die zweite Hälfte der Nacht war aber nun deutlich unentspannter, bei jedem kleinen Geräusch (danke Laubfrosch) dachte ich, gleich von diesem wildgewordenen Wildschwein beschnuppert zu werden.

Als ich morgens erwachte, sah ich aber nicht die Schnauze eines Wildschweines, sondern die eines Hundes, neben dem zwei Polizisten standen. Ich dachte schon, meine Recherchefähigkeiten bezüglich der Legalität dieses Unterfangens hätten versagt. Doch die Polizisten waren wegen Räuberbanden auf Patrouille und wollten nur wissen, wieso genau wir denn im Freien übernachten.

So ungewöhnlich der Wecker, so passend das Timing. Es war halb acht und die Sonne zeigte sich schon am Horizont. Ich setzte den Kaffeekocher auf den Bunsenbrenner und wir genossen die ersten Sonnenstrahlen an der frischen Morgenluft. Ein gelungener Ausflug, auf dem das Abenteuerfeeling bestimmt nicht zu kurz kam.

 

Mikroabenteuer – ein Fazit

Wären Mikroabenteuer ein Produkt, wäre das Preis-Leistungs-Verhältnis hervorragend. So viel Abenteuer bei so wenig Vorbereitung macht dem Namen wirklich alle Ehre. Falls du nun selbst Lust hast, deine Abenteuerlust auszuleben, findest du bei folgenden Links weitere Inspirationen:

Es würde mich freuen, in den Kommentaren von den Erlebnissen auf deinen Mikroabenteuern zu hören.

Dominik Meier

Dominik Meier studiert Psychologie und Wirtschaft und das Hauptproblem im Studium prägt auch seine Freizeit: zu viele Interessen, zu wenig Zeit. «Optimieren!», schreit dabei der Ökonom in ihm, worauf der Psychologe entgegnet: «Zielkonflikte lassen sich nun einmal nicht vermeiden.» So gleicht sein Leben manchmal eher einem Jonglierakt als einem rational gelösten Optimierungsproblem. Nicht immer optimal, aber garantiert nie langweilig!

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