„Mehr Zeit fürs Hobby“

Oboisten müssen auch Handwerker sein: Die Mundstücke werden selbst angefertigt.

Wie ist es eigentlich, wenn man sein Hobby zum Beruf macht? Darüber und über die Besonderheiten des Musikstudiums habe ich mit Raphael Ilg, 22, gesprochen. Er studiert an der Musik-Akademie in Basel im 6. Semester Oboe im Hauptfach und Dirigieren im Nebenfach.

 

Raphael, woher kommt deine Liebe zur Musik?
Meine Eltern sind zwar keine Musiker, aber doch sehr musikinteressiert. Wir haben zu Hause viel Musik gehört und gemacht und so habe ich das sehr selbstverständlich mitbekommen. Schon früh, mit ca. sechs Jahren, habe ich in der Knabenkantorei Basel mit Singen begonnen. Mit acht war ich dann an einer Instrumentendemo an der Musikschule. Ich konnte mich damals nicht so richtig zwischen Cello und Oboe entscheiden. Den Ausschlag hat dann gegeben, dass die Oboe in meinen Augen einfach schöner aussieht.

Wann fiel dann der Entscheid, Oboe zu studieren?
Schon vor den Gymi wusste ich, dass ich etwas mit Musik studieren will. Gegen Ende der Schulzeit war klar, dass es Oboe werden soll. Es war das Einzige, was mir so richtig gefallen hat und schliesslich auch das, was ich am besten konnte.

Was muss man tun, damit man an der Musik-Akademie aufgenommen wird und wie hast du dich darauf vorbereitet?
Vor dem Studium muss man eine Eintrittsprüfung absolvieren. Diese besteht aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Im theoretischen Teil wird man in den Grundlagen wie Gehör, Rhythmusgefühl und Musikgeschichte geprüft. Im praktischen Teil spielt man auf seinem Instrument vor. Ich würde jedem empfehlen, vorher beim Lehrer, bei dem man studieren möchte, einige Stunden zu nehmen, damit dieser einen kennenlernt. Auch besteht die Möglichkeit, an der Musik-Akademie Basel (oder an anderen Musikhochschulen) ein Vorstudium zu absolvieren, das einen auf die Prüfung vorbereitet.

Wie ist es, wenn man sein Hobby zum Beruf macht? Gehen dabei Lust und Spass an der Sache nicht etwas verloren?
Das sagen natürlich viele. Ich habe aber schon früh neben der Schule viel Musik gemacht und war dadurch immer ziemlich im Stress. Nun habe ich viel mehr Zeit für mein Hobby und das ist wahnsinnig toll. Klar, das Üben ist manchmal schon etwas mühsam, gerade wenn viel Technik auf dem Programm steht. Wenn ich neben dem Oboespielen nicht auch noch singen und dirigieren würde, sähe die Sache vielleicht schon etwas anders aus.  Ich denke, und das höre ich auch von anderen, dass es sehr wichtig ist, musikalisch möglichst breit aktiv zu sein.

Wie gestaltet sich das Musikstudium hier in Basel?
Wir haben theoretische Fächer, Gehörbildung, Musikgeschichte, Tonsatz, Analyse usw. und dann gibt es praktische Fächer wie z.B. Chor und natürlich auch den Unterricht bei meinem Oboenlehrer. Zudem habe ich regelmässig Klavierstunden. Diese sind für mich besonders wichtig, denn als Dirigent sollte man gut Klavier spielen können. Man muss sich die Dinge zu Hause selber vorspielen, um so seine eigene Interpretation der Werke zu finden.

Welche drei Eigenschaften sollte man deiner Meinung nach mitbringen, wenn man ein Instrument studieren möchte?
Man sollte auf jeden Fall musikalisch breit gefächert sein und sich für viele Dinge interessieren. Wichtig für das Zusammenspiel ist zudem, dass man auf andere eingehen kann und sich auch während des Spielens auf sie konzentriert. Nur so kann das Ganze am Ende harmonisch zusammenklingen. Mit der üblichen Studierendentaktik „Ich-mach-alles-auf-den-letzten-Drücker“ kommt man im Musikstudium nicht sehr weit. In manch anderem Fach nützt es etwas, wenn man sich in der Nacht vor dem Abgabetermin hinter eine Arbeit setzt. Hat man aber am nächsten Tag ein Konzert, dann funktioniert das definitiv nicht. Man muss schon viel früher mit Üben beginnen. Das heisst also, das man also auch ein gewisses Mass an Disziplin mitbringen sollte.

Was sind Freuden / Schwierigkeiten in deinem Studium?
Schön ist, dass man fürs Leben (oder zumindest für die berufliche Zukunft) lernt. Die Stunden, welche ich mit Üben verbringe, lohnen sich für meine spätere Laufbahn. Das Studium hier in Basel ist super aufgebaut. Man hat wirklich Zeit, sich seinen musikalischen Projekten zu widmen, muss nicht unzählige Vorträge halten und Arbeiten schreiben und wird von seinen Dozenten extrem gut betreut.  Mir macht das Zusammenspiel mit anderen (v.a. Kammermusik) sehr viel Spass und es bringt mich auch selber weiter. Schwierig ist dagegen, die nötige Disziplin aufzubringen, um beständig selber zu üben. Gerade bei technische Übungen, die man nie vorspielen kann, ist es oft nicht so leicht, wirklich dabei zu bleiben, vor allem weil sich Fortschritte nicht immer sofort bemerkbar machen.

Wie siehst du deine berufliche Zukunft? Ist es einfach, nach einem Musikstudium im Berufsleben Fuss zu fassen? Oder stimmt das Klischee des brotlosen Berufs?
Ich möchte auf jeden Fall Oboe unterrichten. Die pädagogische Arbeit macht mir unglaublich viel Spass. Daneben würde ich gerne regelmässig Kammermusik machen und in Orchestern spielen und auch als Dirigent (Orchester/Chor) tätig sein. Eine klassische Karriere als Solist kann ich mir eher weniger vorstellen. Es ist mir wichtig, neben dem Unterrichten viel Zeit für eigene Projekte zu haben, die ich nicht des Geldes wegen machen muss. Gerade in der Schweiz hat man als Musiker und insbesondere als Musiklehrer eine gute Zukunft und verdient genug.

 

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Raphael für das Interview.

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