Leben wie Gott in Frankreich?

In Basel zu wohnen kann ein grosses Loch ins Studi-Budget reissen. Wer aufs Geld schauen muss und dennoch dem heimischen Nest entfliehen möchte, sollte mal den Blick über die Grenze nach Frankreich schweifen lassen. Welche Vor- und Nachteile das Elsass als Wohnort mit sich bringt, haben mir zwei Freunde verraten:

Das liebe Geld
Das Offensichtliche zuerst: Es ist kein Geheimnis, dass die Mieten in Frankreich deutlich tiefer sind. Saint-Louis, Huningue und Hégenheim grenzen direkt an Basel bzw. Allschwil und dennoch macht der kleine Sprung über die Grenze einen grossen Unterschied im monatlichen Mietpreis. In Saint-Louis findet man beispielsweise Dreizimmerwohnungen um 70 m² für umgerechnet etwa 730 CHF. In Basel muss man dafür normalerweise mindestens 500 CHF mehr bezahlen.

„Wir haben in Frankreich eine Vierer-WG gegründet. In Basel hatten wir uns gar nicht erst nach einer Wohnung umgesehen, da die Mieten für eine Wohnung in dieser Grösse oft dreimal höher waren,“ erzählt Micha. Neben dem günstigeren Wohnraum profitieren in Frankreich wohnhafte Studierende auch von tieferen Steuersätzen und Versicherungen.

Natürlich sind tiefere Lebenshaltungskosten ein attraktiver Anreiz für Studierende, die beispielsweise für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen müssen. Was aber zunächst paradiesisch für den Geldbeutel klingt, hat auch seine Schattenseiten. Das hat auch Micha gelernt: „Alles was mit Behörden oder Telefon/Strom zu tun hat ist das reinste Chaos ….“

Mobilität
In Sachen Mobilität mit ÖV besteht noch etwas Ausbaubedarf. „Die Busverbindungen waren richtig schlecht. Meistens musste man notgedrungen mit dem Auto, Velo oder auch zu Fuss zur Tram. Ich habe in Hégenheim gewohnt, von dort ist man sehr schnell in Allschwil. Ab dort ist die Anbindung dann sehr gut,“ erklärt David.

Gestern konnte erstmals die Verlängerung der Tramlinie 3 nach Saint-Louis besichtigt werden. Ende 2017 soll die Strecke in Betrieb genommen werden. Vielleicht macht diese Tramlinie das Wohnen im französischen Ausland attraktiver für Studierende die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.

Leben
Wer nach Frankreich zieht, wird zwangsläufig mit der Sprache konfrontiert. Für einige von uns ist der Französischunterricht schon eine Weile her und der verbliebene Wortschatz beschränkt sich auf „oui/non“ „merci“ und „une baguette s’il vous plaît“. Das ist natürlich ein solider Anfang, aber zum Überleben reicht es vermutlich nicht.

Glücklicherweise sprechen aber viele neue Nachbarn die eigene Sprache. „Bei uns gab es eine sehr gemischte Nachbarschaft, viele Franzosen, einige Elsässer haben auch Deutsch gesprochen, Deutsche und auch Schweizer. Die Nachbarn waren eigentlich alle nett, viel Kontakt hatten wir aber nicht zu ihnen,“  erzählt David. Viele Studierende möchten Sprachkenntnisse während einem Auslandssemester verbessern. Wer während dem Studium in Frankreich lebt, kann dies quasi nebenbei durch alltägliche Situationen tun.

Nur von Baguettes alleine kann ein Mensch nicht leben und auch Studierende müssen mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden. Im französischen Ausland sind Lebensmittel bekanntlich günstiger als in der Schweiz, aber die meisten gehen trotzdem nach Deutschland einkaufen. „Einer meiner WG-Kollegen hatte glücklicherweise ein Auto. So sind wir während der Studienzeit meistens nach der Uni nach Deutschland einkaufen gefahren. Wir haben also wirklich dem Klischee entsprochen: In der Schweiz arbeiten respektive studieren, in Frankreich wohnen und in Deutschland einkaufen,“ erzählt Micha.

Was bei unseren französischen Nachbarn alles los ist, hat Philip schon auf dem Blog vorgestellt. Auch David und Micha bestätigen, dass es viele Bars und Sportplätze gibt, die auch rege genutzt werden. Vielleicht ist eine ebensolche Bar auch der erste Ort, an dem man den grossen Zeh ins unbekannte Wasser tauchen kann, um herauszufinden ob ein Leben in Frankreich für einen selbst in Frage kommt.

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