Kosmos: ein Paralleluniversum mitten im Kleinbasel

Links Simon (hat Kunstgeschichte an der Universität Basel studiert), rechts Franca (studiert noch Englisch und Geschichte an der Universität Basel)

Gibt es in Basel ein schöneres Quartier als das Kleinbasel? Das glaube ich kaum. Mit dem neuen Buchladen «Kosmos» machen Anna Weber, Camilla Wüthrich, Franca Schaad und Simon Krebs die Klybeckstrasse ein kleines bisschen schöner. Dass der Kosmos eine Gebäude-Etage mit dem «Café Frühling» teilt, trifft einen Nerv. Bis anhin fehlte ein Bücherladen im jungen Quartier. Nun können Lesebegierige mit dem Espresso in der Hand direkt neue Werke suchen gehen, oder es sich auch mit dem neuesten literarischen Fund zu einem warmen Getränk für ein paar Stunden im Café gemütlich machen.

Bestseller sucht man zwischen den vier schlicht, aber charmant eingerichteten Wänden fast vergebens. Die Bücher sind von kleinen Verlagen herausgegeben oder sind Lieblinge des jungen vierköpfigen Teams, das seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Die Preise halten sich für gewöhnlich im Rahmen von zehn bis zwanzig Franken. Auch Lesungen finden abends statt, so beispielsweise am 10. Dezember mit dem Autor Urs Mannhart «Bergsteigen im Flachland». Schnell wird klar, dass Kosmos ein Ort der Begegnungen ist, umso mehr in seiner Symbiose mit dem Café Frühling.

Die neuen Gatekeeper der koffeinierten Buchkultur Basels liessen mich dabei kurz in ihrem Literaturhafen Anker werfen und schickten mich mit ein paar spannenden Buchempfehlungen für einzelne Studiengänge auf die Weiterreise:

Für Ägyptologen und Islamwissenschaftlern: «Brown Book: An Urban Guide to the Middle East»

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Warum?: Wer auf hohem Niveau Hipster sein will, kann das leider nicht an der Uni lernen. Deshalb fehlt wohl auch diese periodisch erscheinende Zeitschrift an den entsprechenden Fakultäten. Dabei deckt die Anleitung zur Urbanität ziemlich spannende Themensphären des Nahen und Mittleren Ostens ab. Ob eine Reportage zu den Uhrenmachern Kairos, ein Hieroglyphen-Survival-Guide oder einer Aufarbeitung persischer Popsongs aus den 90er Jahren: Es lässt sich für jeden, der sich auch nur peripher für diese Region interessiert, Spannendes finden.

 

Für Biologen und Nanowissenschaftler: «Micro-Macro» von Christoph Hüppi

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Warum?: Wenn die Kunst und die Mikrobiologie eines gemeinsam haben, dann ist das die Suche des Grossen im Kleinen. Christoph Hüppi macht sich verschiedene Zellstrukturen zu eigen und verarbeitet sie auf einer futuristischen, wunderbar ästhetischen Weise, die auch den müdesten Biologengeist weder zu inspirieren vermag.

 

Für Studierende der Gender Studies: «Ausweitung der Kampfzone» von Michel Houellebecq und «Wie Frau sein» von Michèle Roten.

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Warum?: Mit der Ausweitung der Kampfzone wird ein prägnanter, wichtiger Gedanke als Roman vermittelt: Die kapitalistische Verhaltensmuster schwappen auch auf andere Lebensbereiche als die Wirtschaft über. Houellebecqs Buch zeigt das am Beispiel der Liebe und der Sexualität.

Für wen sich Rotens Anleitung zum weiblichen Dasein eignet, erklärt ihr Verlag gleich selbst am besten, nämlich «für Frauen, die es selbstverständlich finden, dass Hausarbeit geteilt wird, dass Frauen auch promisk leben dürfen, dass sie Führungspositionen einnehmen, dass sich Mutterschaft verbinden lassen muss mit Arbeit, dass Heiraten nicht das höchste Ziel im Leben ist, dass die Frau auch mal den Mann einlädt im Restaurant. Und die völlig baff sind, wenn sie merken, dass die Welt noch nicht soweit ist wie sie.»

 

Für die Psychologen: «Physik der Schwermut» von Georgi Gospodinov

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Warum?: Wie fühlt sich der Minotaurus in seinem Labyrinth? Oder eine Schnecke, die gerade verschluckt wird? Mit Hyperempathie führt Gospodinov durch das grelle Brachland der Melancholie, in der viele Studierende der Psychologie wohl ebenfalls zu navigieren lernen wollen.

 

Für Philosophen: «Klartext: Fragen am meine Eltern» von Peter Liechti

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Warum?: Das Werk ist eine Aufarbeitung grundsätzlicher philosophischer Fragen, bloss ausserhalb der – wenn wir ehrlich sind, teilweise mühsamen – hermeneutischen Methoden der Philosophie. Stattdessen bedient sich das Buch des intimen Rahmens eines langen Gesprächs mit den Eltern.

 

Studierende der Geographie/Geologie: «Literarischer Reiseführer Basels» von Daniel Kissling, René Frauchiger & Lukas Gloor und «Kartographie des Schnees» von Rolf Hermann.

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Warum?: Mit dem Reiseführer lässt sich die Stadt mal von einer anderen Perspektive entdecken. Die Kartographie des Schnees ist wiederum ein Band mit Gedichten, die sich stets vor der Kulisse von Naturlandschaften abspielt. Perfekt für ein paar besinnliche Stunden während einer Alpenexkursion.

 

Die Öffnungszeiten des Kosmos: Donnerstag & Freitag von 10:00 bis 16:00 sowie Samstag & Sonntag von 09:00 bis 17:00.

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