Die Liebe in den Zeiten des Studiums

Bild: Ashley Rose | Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Vier von hundert Paaren, die in einer langfristigen Beziehung leben, haben sich im Studium kennengelernt. Darius, der Soziologie, Philosophie und Psychologie studiert, nimmt uns in seinem Gastbeitrag mit auf eine Reise durch die Geschichte der Liebe im Studium.

Als der junge Herr Goethe nach Weimar zog, um Jurist zu werden, stand eins sicher nicht im Mittelpunkt seines Lebens: sein Studium. Viel zu sehr war er damit beschäftigt, jungen Lotten nachzusteigen. Und wenn Lotten nicht mehr wollte, lebte Goethe nach dem Credo:

Es küßt sich so süße der Busen der zweiten,

Als kaum sich der Busen der ersten geküßt.

Überhaupt waren Studierende damals nicht für ihren Lerneifer oder den Wettbewerbsgeist im Studium berüchtigt, sondern für ganz andere Dinge. Das Studium, damals ein noch grösseres Privileg als heute, stand nur den Zöglingen wohlhabender Familien offen. Die jungen Standhalter wurden mit grossen Hoffnungen und Erwartungen ihrer Eltern in die Fremde geschickt, um als gemachte Männer wiederzukommen. Diese Mannwerdung geschah aber eben nicht bloss am Studiertisch (oder vielleicht eben doch) sondern auch in den Schänken und Cafés der Städte. Ausgestattet mit Geld, Witz und Position konnten die Jungakademiker die Gesellschaften in den Universitätsstädten ganz schön in Fahrt bringen. Was ist verführerischer als ein junger, ungebundener Nachfolger, der gut dichten und sprechen kann?

Viel zu kurz kommen in so einer historischen Betrachtung weibliche Studierende, einfach deswegen weil es sie zu Goethes Zeiten (fast) gar nicht gab. Hier konnte die Schweiz eine Vorreiterrolle einnehmen. Als erste Universität im deutschen Sprachraum liess die Universität Zürich 1863 weibliche Studierende zu. Die erste Studentin in Basel, Emilie Frey, durfte sich dann 1890 einschreiben und war damals noch viel zu sehr damit beschäftigt, ihre Studierfähigkeit als Frau unter den Beweis zu stellen, als dass sie die gelehrigen Hallen des Kollegienhauses hätte mit Romantik füllen können.

Heute sieht die Situation anders aus und Frauen stellen die Hälfte der Studierenden der Schweiz, in Basel sogar 54 %. Wenn nun männliche, weibliche und alle anderen Sprösslinge im jungen Alter aufeinandertreffen, sollten wir doch von einer unmoralischen Explosion in Sachen Liebschaften ausgehen. Das zumindest hatten damals die Gegner von Emilie Freys Zulassung, wie Professor Johann Friedrich Miescher gefürchtet.

Was hat sich aber wirklich in den fast 200 Jahren nach Goethes Tod getan? Wenn ich Liebe und Studium bei Google eingebe, erscheinen Ergebnisse wie „Liebe oder Studium“, „Liebe oder Karriere“, „Liebe und Studium – geht das?“. Sind das Studium und die Liebe also zu Gegensatzpaaren geworden, die sich gegenseitig das Leben schwer machen? Klausuren, Auslandssemester, Praktika und die Ungewissheit, wie und wo es nach dem Studium weitergeht, scheinen das andauernde Liebesglück zur echten Herausforderung zu machen.

Trotzdem ist es für Studierende empfehlenswert, in Liebesdingen besonders aktiv sein. Der Hamburger Soziologe Werner Habermehl hat beispielsweise herausgefunden, dass mehr Sex zu einer Verkürzung des Studiums führt. Also sollte man sich doch lieber irgendwo in der Universität einsperren lassen, um ein paar private Stunden mit der oder dem Liebsten zu verbringen, als wieder einmal die Nacht durchzulernen.

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