Käsebrote und die Kunst des Networkings

Apéros treiben vielen Studierenden Schweissperlen auf die Stirn. Anstatt Gespräche zu beginnen, greift man lieber zu Orangensaft und Käsebrot. Mit vollem Mund spricht man schliesslich nicht und vielleicht hat man Glück und wird nicht angesprochen. Es kann sich jedoch lohnen, das kostenlose Nachtessen abzulehnen und sich stattdessen ein eigenes Netzwerk an Kontakten aufzubauen:

Als Networking wird das Knüpfen von Kontakten verstanden, die später von beiden Parteien gewinnbringend eingesetzt werden können, ganz gleich ob im privaten oder beruflichen Umfeld. In vielen grossen Konzernen gehört das Mittagessen mit Kollegen fachfremder Bereiche zum Alltag. Der Austausch eröffnet neue Perspektiven. Auch Studierende können berufliche Brücken bauen, von denen sie später in besonderem Masse profitieren können.

Theorie der „Weak and Strong Ties“
1973 entwickelte der amerikanische Soziologe Mark S. Granovetter die Theorie der „Weak and Strong Ties“. Lange vor Facebook, Twitter oder dem Zugang zum Internet für Otto Normalverbraucher befasste er sich mit der Relevanz sozialer Kontakte für Informationsflüsse und berufliche Perspektiven. Zwischenmenschliche Verbindungen lassen sich laut Granovetter anhand vier Charakteristika in gefestigte und lose Bekanntschaften unterteilen. Relevant sind hierfür miteinander verbrachte Zeit, Emotionalität des Verhältnisses, Vertrauen und gegenseitiger Nutzen der Beziehung.

Netzwerke aus Freunden und Bekannten zeichnen sich primär durch Strong Ties aus. Information fliesst frei und es besteht grosses Vertrauen zwischen den beteiligten Parteien. Durch den ungehinderten Fluss neuer Erkenntnisse ist der Informationspool der Individuen äquivalent.

Das ist der Grund, warum Granovetter flüchtigen Bekanntschaften, vor allem hinsichtlich der beruflichen Weiterentwicklung, grössere Bedeutung beimisst. Diese Weak Ties ermöglichen die Verbindung zu anderen Netzwerken. Selbst wenn das direkte Gegenüber bei der Stellensuche nicht weiterhelfen kann, schafft sie Verbindungen zu Personen anderer Netzwerke. Weak Ties ermöglichen letztlich neue Perspektiven, von denen ganze Netzwerke enger Bekannter profitieren können.

Für Studierende bedeutet das: Eigene Kontakte sind wichtig. Man sollte sich nicht auf dem Vitamin B der Familie ausruhen und selbst schon früh beginnen, berufliche Verbindungen zu etablieren. Diese acht Tipps helfen, damit das Netzwerken bei nächsten Apéro von Erfolg gekrönt ist:

1) Vorbereitet sein und Hausaufgaben machen
Im Vorfeld einer Veranstaltung ist es lohnenswert, Informationen über Gäste zu sammeln und so Grundlagen für fundierte Gespräche zu schaffen. Welche Fragen könnten Konversationen ins Rollen bringen? Welche interessanten Punkte im Lebenslauf der Redner bieten Anknüpfungspunkte für den vertiefenden Meinungsaustausch? Welche Fragen haben sich auch andere Gäste beim Vortrag gestellt? Es ist aber wichtig, nicht nur auswendig Gelerntes vorzutragen, sondern persönliche Verbindungen zu schaffen. Ein guter Ausgangspunkt für die Vorbereitung kann das LinkedIn-Profil der Redner bilden.

2) Den erste Schritt gehen
Soziale Get-togethers erhöhen den Puls vieler. Über den eigenen Schatten springen lohnt sich jedoch: Die Chance ist gross, dass sich andere mindestens genauso unwohl fühlen wie man selbst und viele sind sicher dankbar dafür, nicht selbst auf Menschen zugehen zu müssen.

3) Eigenwerbung vermeiden
Es ist wichtig sich bestmöglich zu präsentieren, dennoch ist Eigenwerbung ein Tabu. Ein solches Verhalten wird von Gesprächspartnern meist negativ empfunden. Es gilt also: Lieber tiefstapeln und nur einzelne, aber eindrückliche, Referenzen erwähnen.

4) Kurz und knapp
Die präzise Beschreibung der eigenen Tätigkeit und Qualifikation sind wichtig, um langatmige Gespräche zu vermeiden und das Interesse des Gegenübers nicht zu verlieren. Was sind interessante Eckdaten, die man sich merken kann, und was kann zur erfolgreichen Weitervermittlung beitragen? Im Voraus zurecht gelegt tragen diese Sätze zum erfolgreichen Verlauf des Gespräches bei.

5) Zuhören und fragen
Während des Gespräches gilt es aufmerksam zuzuhören und weiterführende Fragen zu stellen, um dem Gegenüber die Möglichkeit einzuräumen, sich aktiv in die Konversation einzubringen. Erfahrungen anderer können ausserdem eine gute Grundlage bieten, um Lehren für die eigene Situation zu ziehen.

6) What’s in it for them?
Die Kunst des Netzwerken ist es, Verbindungen von Dauer zu etablieren. Wie in vielen Bereichen des Lebens gelingt es dann, wenn die Gesprächspartner erkennen können, was für sie rausspringt. Wer auf der Suche nach einem Job ist, sollte zeigen, wie sie oder er dem Unternehmen nutzen kann.

7) Kontakte pflegen
Mühe und Zeit der ersten Kontaktaufnahme sollen sich lohen und neu gewonnene Verbindungen erhalten bleiben. War eine Konversation hilfreich? Die Visitenkarte ist erst der Anfang. Das Bedanken für Ratschläge kann der erste Schritt in die richtige Richtung sein. Eine grosse Anzahl an Kontakten auf LinkedIn ist irrelevant, wenn keine tatsächliche Verbindung besteht.

8) Übung macht den Meister
Wie heisst es so schön: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“. Nicht aufgeben, wenn es sich beim ersten Mal noch unangenehm anfühlt. Mit der Zeit werden solche Situationen natürlicher und fallen einfacher.

 

Viel Erfolg!

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