Medizinstudium und Leistungssport – ja, das geht!

Pascale Stöcklin beim Stabhochsprung
Pascale Stöcklin trainiert seit 17 Jahren Leichtathletik. 2024 will sie für die Schweiz in Paris einlaufen (Bild: Rolf Stöckli).

Die meisten von uns Studierenden machen ab und an mal nach einer Vorlesung ein bisschen Sport, um in Form zu bleiben. Doch für Pascale Stöcklin ist Sport nicht nur ihr Hobby. Die 24-jährige Stabhochspringerin studiert gleichzeitig Humanmedizin und feiert in der Leichtathletik internationale Erfolge. Ihr nächstes Ziel: die Olympischen Spiele 2024.

Pascale, du studierst im 8. Semester Medizin an der Universität Basel. Warum hast du dich für diese Studium entschieden?

Ich habe mich schon immer für den Körper interessiert. Als Kind war ich sehr aktiv, konnte nie stillsitzen und musste immer in Bewegung sein. Seitdem ich Sport mache, ist für mich der Körper etwas sehr Zentrales. Im Gymnasium habe ich den Schwerpunkt Bio-Chemie gewählt. In diesem Fach habe ich mehr über den Körper gelernt und fand es faszinierend, was für ein Wunderwerk er doch ist und wie viel wir noch nicht darüber wissen. Ausserdem wollte ich später einen Beruf haben, der abwechslungsreich ist.

Wie bist du zur Leichtathletik gekommen respektive zum Stabhochsprung?

Ich habe 2004, mit 7 Jahren, mit Leichtathletik angefangen. Am Anfang habe ich noch für alle Disziplinen trainiert. Erst später – mit 10 oder 11 Jahren – durften wir Stabhochsprung ausprobieren. Ich hatte so viel Spass an dieser Disziplin, dass ich meinen Trainer so lange genervt habe, bis ich in die Gruppe mit den Stabhochspringern gehen durfte. Nach mehreren Trainings bestritt ich meine ersten Wettkämpfe. Danach hatte immer mehr der Stabhochsprung Oberhand –vielleicht auch, weil ich für die anderen Disziplinen wie Sprint zu langsam war (lacht).

Was bedeutet dir die Leichtathletik?

Die Leichtathletik war zuerst nur ein Hobby, wurde dann aber immer wie zentraler. Jetzt ist sie eine Leidenschaft und ist bei mir an erster Stelle in meinem Alltag. Sie gibt mir ein Ziel, einen Fokus, wo ich alles geben kann. Zudem ist sie ein grosser Ausgleich zu meinem Studium, das ist sehr wichtig für mich.

Was sind deine sportlichen Ziele?

Ziele zu formulieren finde ich immer schwierig. Natürlich ist es mein Ziel, immer besser zu werden, und mich immer weiterzuentwickeln, die Technik zu verbessern und zu perfektionieren. Ich habe mir selbst gesagt, dass ich sicher in den nächsten vier Jahre, also bis 2024, nochmals alles gebe in der Leichtathletik. Dann wären die nächsten olympischen Spiele. Daran teilzunehmen, ist ein riesiger Traum von mir, der Hoffnungsschimmer ist relativ klein, aber da! Bis dort sind es aber noch viele Schritte, die ich machen muss. Die nächsten Ziele in naher Zukunft aber wären die Europameisterschaftslimite bei den Aktiven zu erreichen und dann von Grossanlass zu Grossanlass Erfahrungen zu sammeln.

 Du hast hohe Ziele mit der Leichtathletik, wie vereinbarst du Sport und Studium?

Das ist so eine Sache (lacht). Am Anfang hatte ich Angst, dass es gar nicht geht. Ich muss aber sagen, dass die ersten drei Jahre meines Studiums sehr gut verliefen. Im Medizinstudium haben wir nicht so viel Präsenzunterricht, das heisst ich konnte mir sehr viel selbst einteilen und mit einer guten Struktur hat das auch wunderbar funktioniert. Im Master ist es jetzt aber doch anstrengender geworden. Dadurch, dass ich aber noch zuhause wohne, werde ich von meinen Eltern sehr unterstützt und kann mich wirklich nur auf die Leichtathletik und das Studium konzentrieren.

Pascale Stöcklin

Medizinstudium und Olympische Spiele: Pascale Stöcklin ist überzeugt, dass beides möglich ist (Bild: Hannes Kirchhofer).

Unterstützt dich die Universität in deinen Vorhaben?

Ja, sehr! Normalerweise verbringt man das 10. und 11. Semester als Unterassistenzärztin und arbeitet 100% in einem Spital. Da ich weiter aktiv Leichtathletik machen möchte und dies mit einem 100% Pensum nicht möglich ist, habe ich mit dem Dekanat zusammen entschieden, die Unterassistenzzeit auf zwei Jahre auszudehnen. Denn für mich ist klar, dass ich in der Leichtathletik eine Chance habe und die ist jetzt, wenn ich jung bin. Zehn Jahre lang habe ich wöchentlich fünf Mal trainiert und in den letzten Jahren noch viel mehr. Da wäre es einfach zu schade, das alles wegzuwerfen. Trotzdem werde ich das Studium weiterführen und auch dort meinen Fokus weiterhin behalten, nur halt in einem etwas weniger zeitintensiven Tempo.

Bleibt da noch Zeit für Freizeit?

Freizeit, das ist so eine Sache. Es ist immer eine Definition. Seit ich letzten Herbst nach Magglingen gewechselt habe, trainiere ich dort zwei Mal die Woche. Pro Weg nur von Haustür zu Haustür habe ich 2 ½ Stunden. Das sind dann 10 Stunden pro Woche, die wegfallen. Dann bleibt wirklich nicht mehr viel Zeit für Freizeit. Dafür geniesse ich die Freizeit, die ich habe, umso mehr. Wir haben ja zum Glück sehr grosszügige Semesterferien, in denen ich das nachholen kann.

Wo siehst du dich in 10 Jahren: als Athletin oder Ärztin?

Ich weiss noch nicht, wie lange ich Leichtathletik machen werde. Ich werde sicher alles daransetzten, dass ich es noch so lange wie möglich machen kann. In der Medizin sehe ich mich etwas Praktisches machen, vielleicht Chirurgie? Das werde ich dann sehen.

Viktoria Stauffenegger

Der Austausch mit ihren Mitmenschen ist Viktoria Stauffenegger besonders wichtig. Sie liebt es, ihre Geschichten zu hören und ist gerne mit ihren Freunden und ihrer Familie unterwegs. Sie bereist Städte, geniesst die Sonne am Meer oder treibt in der Natur Sport. All das bringt sie wieder ins Gleichgewicht und weckt ihre kreative Seite. Diese lebt sie auch in den sozialen Medien aus, schneidet Videos, schreibt Guides oder optimiert Bilder.

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