Hoher Besuch an der Universität Basel: Nobelpreisträger Vernon L. Smith spricht über gesellschaftliche Konventionen und wie Studierende sie durchbrechen können.

Prof. Dr. Vernon L. Smith gewann 2002 den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften. Im Rahmen der sechsten Bernoulli Lecture kam er am Montag an die Universität Basel und hielt einen Vortrag zum Thema „You Learn the Most When You Find Your Beliefs to be False“. Er zeigte darin drei Beispiele aus den Wirtschaftswissenschaften, wo sich bis dahin von Wissenschaftlern akzeptiertes Wissen als falsch erwies. Wie lassen sich Vernon Smiths Erkenntnisse auf das Leben Studierender übertragen? Wir haben bei ihm nachgefragt.

Wir studieren in einer Zeit, in der alles standardisiert scheint: Regelstudienzeit, Prüfungsbögen und der Weg zum Erfolg. Wo bleibt da Raum, Konventionen zu durchbrechen? Es scheint beinahe, als hätten Multiple-Choice-Fragen Studierende vergessen lassen, akademische Inhalte in eigene Worte zu fassen. Wer hinterfragt heute noch die Modelle und Theorien, die man lernen muss? Stupides Auswendiglernen statt 68er-Rebellionsgeist. Ein Problem der Mainstream-Millennials?

Smith erhielt seinen Nobelpreis für Verdienste im Bereich der „Experimental Economics“. Er etablierte Laborversuche mit Probanden als Untersuchungsmittel zur Analyse wirtschaftlicher Phänomene. In Versuchen liess er beispielsweise immer wieder Marktsituationen nachspielen. Er wollte explizit nicht konventionellen Lehrmethoden folgen.

Der Dialog mit Studierenden sei ihm wichtig und diesen fördere er auch aktiv. Linus Pauling, sein Chemieprofessor an der Caltech, sei in dieser Hinsicht ein gutes Vorbild gewesen, erklärt Smith. Pauling gewann später den Nobelpreis für Chemie und auch den Friedensnobelpreis für seinen Einsatz gegen Atomwaffentests.

„Niemand ist allwissend.“
Heutzutage scheinen viele Lebenswege vorgezeichnet, von der Gesellschaft bestimmt. In manchen Kreisen gehört das Studium zum guten Ton. Motivationen dafür werden nicht hinterfragt. Man akzeptiert und geht den Weg des geringsten Widerstandes. Smith ermutigt auch mal nachzuhaken: „Niemand ist allwissend, deshalb sollte man auch nicht davor zurückschrecken, Dinge zu hinterfragen. Man selbst weiss nicht alles, Professoren aber auch nicht.“

Smith kommt aus einer Farmer-Familie aus Kansas. Seine Mutter war Sozialistin. Niemand in seiner Familie wusste, wie man die richtige Hochschule auswählt. Glücklicherweise fand Smith in der örtlichen Bücherei ein Buch, das ihm weiterhalf.

Studierende sollten nie vor etwas zurückschrecken, weil sie Angst haben zu versagen, ermutigt Smith. „Aus Misserfolgen lernt man am meisten.“ Das alles klingt so einfach aus dem Mund eines Nobelpreisträgers. Wie aber überwindet man Ängste vor gesellschaftlicher Ablehnung? „Man lernt aus Erfahrungen. Wenn du fällst, stehst du wieder auf. Mit dem Alter wird das einfacher“, versichert mir der 89-Jährige.

Jedes Jahr finden in Basel im Rahmen der Bernoulli Lectures Vorträge zu Ehren von Wissenschaftlern statt, die massgeblich am Fortschritt der verhaltenswissenschaftlichen Forschung beteiligt sind. Forschung soll so einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden und Grenzen zwischen den einzelnen Disziplinen verschmelzen lassen.

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