Escape Rooms: Neue Welten mitten in Basel

Escape Rooms machen sich seit nunmehr über zehn Jahren in Städten rund um die Welt einen Namen. Ich habe mich in Basel nach entsprechenden Angeboten umgeschaut und beim ersten in Basel gegründeten Escape-Room-Anbieter reingeschnuppert. Eine aufregende Erfahrung, aber lies selbst.

Bei einem „Escape Room“ handelt es sich um ein interaktives Gruppenspiel. Es geht darum, als Gruppe in einem vorgegebenen Zeitrahmen ein Rätselszenario zu lösen. Beim Rätseln werden die Teilnehmer dabei durch atmosphärische Kulissen geführt und nehmen, falls nötig, zum Szenario passende Rollen an. Dabei sind die interaktiv nutzbaren Kulissen stets Bestandteils des Rätselns und das Ziel ist es, möglichst schnell einen Weg aus dem Szenario heraus zu finden.

Erster Eindruck
In der Elsässerstrasse 93 gegenüber der Voltamatte nehmen mich Lukas Haas und Felix Erzinger in Empfang. Sie sind die beiden Gründer der Sherlock-GmbH und bieten unter dem Namen Room Escape Basel an gleich zwei Standorten eine Fülle von Spielszenarien an.  Die grosse Fensterfront des Gebäudes ist mit gezeichneten Darstellungen der aktuellen Szenarien verhangen und lässt keine neugierigen Blicke zu. Doch das unscheinbare Äussere täuscht. Im Inneren offenbaren sich hohe schwarzgefärbte Decken, Kulissen in Form von Hausfassaden oder kunstvoll eingelassenem Mauerwerk, verwinkelte Erker und dicke Holztreppen, die in die verschiedensten Winkel der Anlage führen. Das Licht leuchtet dezent warm und ich fühle mich direkt in eine andere Welt hineinversetzt.

Die Anfänge
Die Idee für den Escape Room brachte Erzinger 2014 aus Serbien mit. «Ich war damals wegen des Davis Cups in Serbien und bin dort durch Zufall auf einen Escape Room gestossen», erklärt Erzinger. Mit der Unterstützung seines Kollegen Lukas Haas nahm der erste eigene Escape Room bereits im Juni 2014 Gestalt an. «Zu dem Zeitpunkt war unser Escape Room der dritte eröffnete Escape Room in der gesamten Schweiz und der erste überhaupt in Basel», teilt Erzinger uns mit.

Standort Warteck
Den ersten Raum erschufen die beiden in der ehemaligen Brauerei Warteck am Burgweg in Basel. «Unser erster Raum war damals ‚Die Bibliothek‘ und dieser Raum wird heute noch gespielt», erzählt Erzinger. Das Szenario rund um das mysteriöse Verschwinden eines alten Professors stellte die beiden damals vor eine Menge Herausforderungen. Die Umsetzung von der Idee bis zum fertigen Raum mit all seinen Elementen und Kulissen übernahmen die beiden Ingenieure damals selbst, parallel zum Vollzeitjob. Es folgte ein weiterer Raum am Standort Warteck und schließlich die Erweiterung um einen zweiten Standort mit zwei spielbaren Räumen am Voltaplatz im Mai 2017.

Standort Voltaplatz
Mittlerweile ist das Team gewachsen und fasst neben einem harten Kern aus fünf ständigen Mitarbeitern auch ein zwanzigköpfiges Team aus Teilzeitkräften. «Eigentlich ein typischer Studentenjob», sagt Erzinger und lacht. Tatsächlich arbeiten viele Studierende in Teilzeit beim Escape Room Basel mit. Auch Schreiner, Programmierer und Techniker sind mittlerweile an der Entstehung der bis ins Detail ausgetüfftelten Escape Rooms beteiligt. Die beiden Escape Room-Gründer führen uns über mehrere Ebenen durch das verwinkelte Gebäude. Ich habe Glück, gerade hat eine Gruppe den neuen „Operation: Delta Starfire“-Raum beendet und ich darf einen Blick in das futuristische Sci-Fi-Setting werfen. Ein sprachgesteuerter Roboter begrüsst mich am Empfang, helle Leuchtstoffröhren und glatte Metalloberflächen strahlen mir entgegen.

Wenn ich mir eine Raumstation in der Zukunft vorstellen müsste, dann hätte sie vermutlich so ausgesehen. «Dieser Raum hat von der Entwicklung bis zur Fertigstellung etwa ein halbes Jahr in Anspruch genommen», erklärt uns Haas. «Die Zeit ist aber auch notwendig, um den Raum richtig zu testen und alle Fehlerquellen zu beseitigen.» Die Ideen für die Räume kommen den beiden meist spontan, beim gedankenverlorenen Schlendern durch die Stadt oder bei einem Bier mit Freunden. Es hat aber auch schon eine befreundete Theaterautorin beim Ausarbeiten der einen oder anderen Idee geholfen.

Wir gehen weiter in die Räume des zweiten Szenarios «Der Fluch des Yama» und es kommt ein bisschen Indiana Jones-Stimmung auf. Eine sandsteinartige Halle begrüsst mich im flackernden Licht einer Deckenfackel und gibt den Blick auf die ägyptisch wirkenden Ornamente an den Wänden frei. Haas führt mir die technischen Möglichkeiten der Räume vor. Über seinen Computer kann er Lichtquellen in den Räumen ansteuern oder ganze Schalter und Hebelelemente fernsteuern. Manchmal kann eine festgefahrene Rätselsituation so von aussen ein bisschen aufgelockert werden. Die zugehörigen Sensoren, die Informatik, die nötigen Schalterelemente – das hat das Team alles selbst entwickelt.

Kein Ende in Sicht
Auf dem Weg zurück zur Eingangshalle kommen wir an einem Raum voller Holzzuschnitte und Werkzeuge vorbei. Am hinteren Ende des Raumes befindet sich ein hüfthoher Durchgang in einen weiteren Teil des Gebäudes. Die beiden Gründer spielen bereits mit dem Gedanken, die Anlage hier um einen dritten Escape Room zu erweitern. «Ausserdem ist noch eine Edutainment-Kooperation mit dem Historischen Museum Basel geplant. Dabei sollen Spiel- und Lerninhalte verknüpft und erlebbar gemacht werden», teilt mir Haas mit. Mehr kann er allerdings noch nicht verraten.

Escape Room zuhause
Zum Abschluss führen mir Felix Erzinger und Lukas Haas noch die Rätselkiste vor. Sozusagen ein Escape Room in der mobilen Variante, die sich interessierte Rätselfreunde in Basel sogar bis nach Hause liefern lassen können. Die Rätselkiste ist entgegen der Escape Rooms zwar auf 30 und nicht auf 60 Minuten ausgelegt, kann dafür aber auch in Teams gegeneinander gespielt werden.

Noch mehr Rätselspass
Doch nicht nur im Warteck-Gebäude und am Voltaplatz darf fleissig gerätselt werden, mit gleich 3 spielbaren Szenarien und zwei iPad-gesteuerten Schnitzeljagden geht „Break Out Basel“ ins Rennen. Alle Szenarien können hier auch von zwei Gruppen in einer Duellvariante gespielt werden. Wer den namensgebenden Gefängnisausbruch spielt, wird ausserdem in eine passende Gefangenenmontur gesteckt.

An den zwei Standorten in der Frobenstrasse 27 und dem Theatergässlein 17 öffnet zudem „One Hour Escape“ Knobelspezialisten die Türen. Mit drei unterschiedlichen Szenarien ist „One Hour Escape“ vertreten und lässt Teilnehmer unter anderem in die Rolle eines Meisterdiebes oder eines Psychiatrieinsassen in einer Gummizelle schlüpfen.

Fazit
Die Escape Room-Landschaft in Basel ist kreativ, eindrucksvoll und vielfältig. Wer noch nicht überzeugt ist, kann sich auf den Websiten der 1,2,3 Anbieter einen genaueren Einblick verschaffen und wer überzeugt ist, kann dort auch direkt buchen.

Christoph Zäh

Während seiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger wurde Christoph Zäh klar, dass er seine Zukunft der Arbeit mit Menschen widmen möchte. Das Psychologiestudium soll nun die absolute Erleuchtung bringen. Wenn er sich nicht gerade durch die Statistiken der Welt wühlt oder in Embryonalstellung vor sich hin wimmert, weil Druckertinte jetzt teurer ist als menschliches Blut, dann boxt er sich den Kopf im Boxkeller frei oder sucht sich auf dem Rennrad, mit dem Snowboard oder im Kajak neue Herausforderungen.

2 Kommentare

  1. Marco
    Fr, 13. April 2018 / 09:46 Uhr

    Hallo Christoph, schwierig dich zunerreichen.
    Aber sag mal, deine Recherche ist nicht das gelbe vom Ei. Hast den grössten und schwersten Raum und den Baslerigsten von allen einfach vergessen. 😱 Melde dich bei mir sonst wenn du magst ;)

  2. Christoph
    Fr, 13. April 2018 / 14:27 Uhr

    Hallo Marco

    Vielen Dank für dein Feedback. Ich werde mich bei dir melden – so viele Superlative machen natürlich neugierig! Gerne werde ich den Artikel dann sinnvoll ergänzen.

    Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende
    Christoph

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.