Die ManaBar – Treffpunkt Spielekultur in Basel

Am 31. August hat die ManaBar ihre Pforten geöffnet. Ihr ambitioniertes Ziel: Die Spielekulturen in Basel zu vereinen. Vor Ort treffe ich mich mit Tom Barylov, Mitbegründer der Mana Bar. Bei einer Tasse Kaffee springt er mit mir zurück auf Anfang und erzählt wie aus der Idee von ein paar Freunden letztlich das Projekt ManaBar wurde und wie eine Vielzahl an Unterstützern das alles möglich gemacht haben.

Eigentlich beginnt die Geschichte der Mana Bar 2015, wie könnte es anders sein, an einem Bartisch. «Damals hatten Fernando und eine Bekannte von ihm die Idee, man könnte eine Bar aufbauen, in welche eine Art Spielekultur mitinbegriffen ist», berichtet Barylov. Der besagte Fernando Studer ist es auch, der ein Jahr später, bei einem zufälligen WG-Besuch auf Barylov trifft und diesen für das Projekt gewinnt. Bei Barylov zuhause fallen Studer sofort dessen grosszügig ausgebautes Computersystem und spezielles Barkeeper-Equipment auf.

Tom Barylov in seinem Element (Bild: ManaBar)

Beim erfahrenen Barkeeper und Gaming-Enthusiasten Barylov rennt Studer mit seiner Idee offene Türen ein. «Was er allerdings nicht wusste: Ich hatte auch schon mit dem Gedanken gespielt, Gastronomie und die gesamte Spielekultur, von E-Sports bis Brett- und Kartenspiel, miteinander zu verbinden», erzählt Barylov und berichtet weiter: «Erst eine Woche zuvor hatte ich die Zusage für mein Gamedesign-Studium erhalten. Da wusste ich schon – beides zusammen wird hart, aber wenn ich etwas will, dann sage ich schon einmal ja und stelle mögliche Konsequenzen hinten an.»

Für manche der Spielschätze muss man sich lang machen.

Gemeinsam treiben Barylov und Studer mit ihrem Team die Idee der ManaBar voran, gründen den Verein Vaisk (Verein für Internet und Spielkultur) und beantragen bei der Christoph Merian Stiftung (CMS) – der Kulturstiftung in Basel Stadt – eine Förderung für das Projekt. «Damals haben wir auch schon mit dem ManaBar-Namen gearbeitet», erklärt Barylov, «allerdings war diese damals noch keine feste Location. Wir wussten zwar schon, was wir machen wollten, aber das war erst der Anfang des Prozesses».

Über den Verein wächst die Zahl der Interessenten und Mitglieder, welche das Team für das Projekt Mana Bar gewinnen kann. Ausserdem kann der Verein, da er eine Non-Profit-Organisation ist, von der dringend nötigen Förderung durch die CMS profitieren. Die CMS finanziert die Idee und vermittelt das Team zusätzlich an die Startup Acadamy und an mögliche Investoren.

Mit einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne zeichnen sich die ersten Erfolge ab – hier unterstützt unter anderem das Züricher Entwicklerstudio Stray Fawn das junge Team. Die ganze Zeit über treibt Barylov das Projekt voran und absolviert parallel erfolgreich sein Gamedesign-Studium. «Einfach mal Zeit nur für mich, das kenne ich nicht wirklich», sagt Barylov mit einem Lachen und ergänzt: «Unter all dem Druck kam auch mal die Überlegung auf, mir vielleicht zu viel vorgenommen zu haben und dass ein Scheitern des Kickstarters vielleicht besser wäre, aber spätestens nach dem Erfolg des Kickstarters gab es kein Zurück mehr».

Auch die Bar kann sich sehen lassen.

Die ManaBar GmbH entsteht, doch nicht alle im Team sind bereit den ganzen Weg zu gehen und einige lösen sich aus dem Prozess heraus. Barylov und ein fester Kern bleiben, auch neue Interessenten finden den Weg ins Team. Gemeinsam stösst das Team schliesslich in einem Inserat auf den jetzigen Standort in der Güterstrasse.

Auf 340 Quadratmetern und drei Stockwerken können sich Spieleenthusiasten und solche, die es werden wollen, sowohl digital als auch analog in der Welt des Spielens verlieren und miteinander austauschen. Für das Spielen an den hauseigenen Computeranlagen oder das Ausprobieren der Spieleperlen aus dem üppigen Spieleangebot vor Ort bezahlen die Gäste jeweils eine Pro-Kopf-Gebühr.

Unter der Woche dürfen zudem gebührenfrei eigene Spiele mitgebracht werden. Getränke und Snacks bietet die Bar selbst an. Zudem besteht ein Kooperationsangebot mit einem Pizzaservice. Selbstverpflegung ist nicht gestattet. Neben dem Bar- und Spieleangebot hat sich die ManaBar auch eine pädagogische Zielsetzung auferlegt. «Das sind momentan vor allem Game Design- und Programmierangebote sowie Aufklärungsarbeit.Gerade zwischen den Generationen und in der Kommunikation zwischen Eltern und Kind beobachten wir noch viele Stolpersteine», erklärt mir Barylov.

Im Untergeschoss kann man sich digital ausleben.

Zum Ende des Interviews möchte ich noch wissen, wer denn jetzt die ManaBar besuchen sollte? Barylovs klare Aussage: «Alle, die einen Bezug zur Spielekultur haben oder die es mal ausprobieren möchten. Ich hatte am Anfang mal eine Demografie erstellt, diese kann ich mittlerweile vollständig über den Haufen werfen. Es ist bei uns komplett bunt durchgemischt, was sehr schön ist».

Persönlich empfand ich meinen Aufenthalt in der ManaBar als total angenehm und auch beeindruckend. Während des Interviews haben sich die umliegenden Tische im Erdgeschoss und die Bar mehr und mehr gefüllt. Die Menschen kommen mit einem Lächeln in die ManaBar und behalten dieses, während sie verweilen.

Im Obergeschoss waren gerade einige grosse Spielerunden voll bei der Sache und die gute Laune, welche eine solche Runde versprüht, wirkt ansteckend. Barylov und sein Team haben es geschafft auf drei Stockwerken alle vorstellbaren Spielebedürfnisse abzudecken.

Hier sei zu erwähnen, dass auch für Kids (und Junggebliebene) mit einer schuhlosen, ebenerdigen Spieleecke gesorgt ist. Die moderne Bar und die stimmungsvolle Beleuchtung unterstreichen diesen durchweg gelungenen Gesamteindruck. Ein Gesamtwerk, das letztlich nur durch den grossartigen Rückhalt der zahlreichen Unterstützer und Vereinsmitglieder möglich war – darauf besteht Barylov. Achja, und der Kaffee war auch sehr lecker!

Christoph Zäh

Während seiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger wurde Christoph Zäh klar, dass er seine Zukunft der Arbeit mit Menschen widmen möchte. Das Psychologiestudium soll nun die absolute Erleuchtung bringen. Wenn er sich nicht gerade durch die Statistiken der Welt wühlt oder in Embryonalstellung vor sich hin wimmert, weil Druckertinte jetzt teurer ist als menschliches Blut, dann boxt er sich den Kopf im Boxkeller frei oder sucht sich auf dem Rennrad, mit dem Snowboard oder im Kajak neue Herausforderungen.

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