Tennis, Traditionen und Schlange stehen – Queueing für Wimbledon

Wimbledon gilt als ältestes und prestigeträchtigstes Tennisturnier der Welt. Es ist eines der letzten grossen Sportereignisse in Grossbritannien, bei dem man noch am Turniertag legal Tickets erwerben kann. Aber man kann trotzdem nicht einfach an einen Ticketschalter laufen. Das überrascht im traditionsreichen Grossbritannien vermutlich keinen. Dieses Jahr konnte ich mir vom Spektakel rund um den „heiligen Rasen“ des All England Lawn Tennis and Croquet Club ein eigenes Bild machen.

The Championships, Wimbledon
Seit 1877 wird das Turnier im Londoner Südwesten ausgetragen. Traditionell ist die Sportbekleidung weiss, man trinkt Pimm’s und isst Strawberries and Cream. Die Briten sind sehr stolz auf ihre Traditionen und machen beim Tennis keine Ausnahme.

Für jeden Tennis-Fan ist Wimbledon mit grosser Wahrscheinlichkeit das Highlight jedes Turnierjahres. Klar, dass man das gerne einmal miterleben möchte. Bestellt man die Tickets im Vorraus im Internet, zahlt man jedoch horrende Preise. Oft sind es dann sogar gefälschte Tickets und daher ungültig. Es gibt aber eine Möglichkeit, an Tickets zu kommen und dennoch das Studio-Budget zu schonen.

Artikel2

Queueing
Wie bereits erwähnt, mag der Brite es gerne traditionell. In Wimbledon bedeutet das, dass Tickets über die sogenannte „Queue“ vergeben werden. Über diese Schlange werden 500 Tickets für den Centre Court, 500 für Court Nr.1, 500 für Court Nr. 2 und viele weitere „Grounds Tickets“, also Karten, um auf das Gelände zu kommen, verkauft. Die Eintrittskarten werden ganz getreu dem Motto „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ vergeben. Für den Tennis-Fan bedeutet das, je weiter vorne ich in der Schlange stehe, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, eine Karte für meinen Lieblingsplatz zu ergattern. Welches dieser ist, hängt natürlich davon ab, welches Spiel auf welchem Platz ausgetragen wird.

Von der U-Bahn-Station Southfields ist der Weg zur Queue gut ausgeschildert. Dort angekommen erhält man eine Queue-Karte mit einer Nummer darauf. Dann ist Geduld gefragt. Möchte man Tickets für den Centre Court, sollte man mindestens einen Tag einplanen. Für die Grounds-Tickets reicht es, sich morgens früh anzustellen. Den ganzen Tag über kommen so Leute auf das Gelände. Je nach Spieltag kann man sogar noch für andere Tickets Glück haben. Wenn man sich entschliesst, zum Zelten für einen der folgenden Tage zu kommen, wird man dann von Stewarss in die richtige Reihe begleitet. Dort schlägt man dann sein Zelt auf. Ab diesem Zeitpunkt hat das Ganze fast den Eindruck eines Camping-Urlaubes. Die Stimmung ist sehr gut und man lernt Tennisbegeisterte aus aller Herren Länder kennen.

Man sollte die Schlange möglichst nicht verlassen, wenn man die Queue Cards für den nächsten Tag noch nicht erhalten hat, da man sonst nicht bei der Vergabe berücksichtigt werden kann. Später kann man den Zeltplatz aber gerne mal für ein oder zwei Stunden verlassen. So kann man mal bei den Trainingsplätzen vorbeischauen oder im Supermarkt einkaufen.

Am nächsten Morgen wird man früh von den Stewards geweckt, man packt das Zelt zusammen, bringt sein Gepäck zur Left Luggage Facility auf dem Gelände und dann wartet man wieder. Später erhält man Armbänder, je nachdem welchen Court man wählt. Dann steht man wieder an. Security Check, wieder anstehen und dann geht man zu den Turnstiles und kauft dort die Tickets. Die Preise variieren je nach Spieltag. Von der ersten Runde bis zum Viertelfinale liegen die Preise zwischen 50 und 115 Pfund, das entspricht ca. 74-170 CHF. Ab dem Halbfinale werden keine Centre Court Tickets mehr an den Turnstiles verkauft.

Artikel3

Meine Erfahrung
Wir sind am Sonntag, den 28.06., um kurz nach 8 Uhr morgens bei der Queue angekommen. Wir wollten Tickets für Dienstag, den zweiten Turniertag, um Roger Federer zu sehen. Schon am Sonntag hatten wir die Nummern 478 und 479. Das heisst, wir hätten bereits für Montag Centre Court Tickets bekommen. Trotzdem sind wir natürlich einen weiteren Tag angestanden. Nachdem die Menschen für die Queue am Montag gegangen waren, hatten wir dann die Nummern 29 und 30.

Den Tag haben wir genutzt, um uns mal ein paar der Trainingsplätze anzuschauen. Dort sind wir zufällig Stan Wawrinka begegnet. Wir konnten sogar noch ein Foto mit ihm machen. Am Dienstag konnten wir uns dann dank unserer guten Position in der Queue tolle Plätze aussuchen. Viele aus der Queue bevorzugen die Plätze hinter dem Schiedsrichter um vielleicht eine Unterschrift oder ein Bild mit einem der Spieler zu ergattern. Uns war es aber wichtiger, die Spiele uneingeschränkt zu sehen. Also haben wir uns Plätze gegenüber, auf der Höhe der Grundlinie ausgesucht. Wir sassen in einer der untersten Reihen und wurden somit definitiv für das lange Anstehen belohnt.

Alles in allem war es ein wirklich tolles Erlebnis. Ich bin mir sicher, dass es nicht unser letzter Besuch war.

Artikel4

Dos

Rechtzeitig da sein – nichts wäre ärgerlicher, als doch keine Tickets für den präferierten Platz zu bekommen. Hierbei sollte man beachten, dass die U-Bahnen nicht durchgängig fahren. Möchte man also nicht zwei Nächte zelten, lohnt sich die Anreise am frühen Morgen mit dem Taxi.

Das ganze mit einer positiven Einstellung angehen, dann ist das Anstehen halb so schlimm.

Bedenken, dass es keine Duschen gibt – Auf dem Zeltgelände gibt es zwar Toiletten, aber keine Duschen. Es gibt die Möglichkeit für 5 Pfund bei einem benachbarten Wassersportclub zu duschen. Allerdings nur zwischen 5 und 8 Uhr morgens.

Don’ts
Aus der Queue gehen, wenn die Queue Cards noch nicht verteilt wurden – man riskiert aus der Schlange zu fliegen.

Zelte für mehr als zwei Personen mitnehmen – grössere sind „eigentlich“ nicht gestattet

Auch keine riesigen Koffer mitbringen – unser Zelt, Luftmatratzen und Schlafsäcke hatten wir in einem standardisierten Reisekoffer für den Flug untergebracht. Eigentlich sollte man aber keine Gepäckstücke, die grösser als ein normales Handgepäckstück sind, mitbringen. Das wussten wir aber leider nicht. Wir haben einem sehr freundlichen und hilfsbereiten Steward unsere Situation erklärt, dann war es kein Problem. Trotzdem sollte man bedenken, dass ein Zwei-Mann-Zelt mit zwei Personen, einem Reisekoffer und Rucksäcken nachts ganz schön eng wird…

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Universität Basel auf: