Vier Orientierungshilfen zum Studienstart

Es gibt Dinge, von denen ich mir wünschte, ich hätte sie bereits zu meinem Studienstart gewusst. Sehr viele Anfälle akuter Hilflosigkeit und Leerläufe hätte ich mir damit sparen können. Deshalb teile ich hier vier Orientierungshilfen, die dir beim Semesterstart hoffentlich etwas unter die Arme greifen.

Ich kann mich noch gut an das Gefühl erinnern, das zu Beginn meines Studiums meinen Gemütszustand dominierte: Orientierungslosigkeit. Was bedeutet das «belegen»? Tutorat, Proseminar, Blockseminar – hä? Wieso hämmern alle nach der Vorlesung merkwürdig auf ihre Pulte? Und wer zum Teufel ist eigentlich Mona?!
Da kam eine riesige Welle auf mich zu und ich fühlte mich nur halb gewappnet, mich ihrer Wucht zu stellen.

Ich habe mich also gefragt, was man meinem Uni-unerfahrenen Ich damals auf den Weg hätte geben müssen, um mir den Start ins Studileben etwas geschmeidiger zu gestalten.

1) Übernehmt euch nicht
Im ersten Semester ist es sehr schwierig abzuschätzen, wie zeitintensiv und nervenzehrend sich das Studium gestalten wird. Wie viele Kreditpunkte pro Semester sind sinnvoll? Kann ich nebenbei noch arbeiten? Und bedeuten 3 ECTS wirklich 90 Stunden Workload pro Semester?

Mein Tipp: Tastet euch im ersten Semester langsam ans Studium heran und übernehmt euch nicht, denn mehr ist an der Uni nicht unbedingt besser (eigentlich ist es das nirgends). Vor allem zu Beginn des Studiums ist es sinnvoll, sich gut auf Kurse vorzubereiten, viel zu lesen, um sich nicht komplett ahnungslos durch die Woche zu schleppen und am Ende geschlagen das Handtuch zu schmeissen. Lasst euch Zeit, euch an das neue Umfeld zu gewöhnen!

2) Know your libraries
Dass ich während des Studiums einen Grossteil meiner Freizeit in Bibliotheken verbringen würde, hätte ich im Gymnasium wohl niemandem geglaubt. An der Kanti gab’s sowieso nur die eine Bibliothek und da lieh man sich eben ab und zu ein Buch aus, meistens aber DVDs.

Erst an der Uni habe ich gemerkt, dass Bibliothek nicht gleich Bibliothek ist. Plötzlich tat sich mir die grosse Welt der Universitätsbibliotheken auf: Die UB mit ihrem mehrstöckigem Freihandmagazin, in dem man sich verlaufen kann; die Ruhe im Lesesaal der Bibliothek des Kunstmuseums; das knarrende Holz und damit verbundene Gefühl der Geborgenheit in der UB Religion am Nadelberg.

Wenn man schon so viel Zeit an einem Ort verbringt, sollte man auch wissen, wo man sich am wohlsten fühlt. Deshalb empfehle ich allen Erstsemestlern: Zieht los und besucht alle nur möglichen Bibliotheken, sitzt Lernplätze Probe, bestellt Bücher und findet heraus, wo es sich für euch am besten denken lässt.

Sehr empfehlenswert als Einstieg sind die Einführungsveranstaltungen zum Semesterstart der Universitätsbibliothek.

3. Engagiert euch!
Leider habe ich gefühlt erst nach einer Ewigkeit entdeckt, wie viele studentische Organisationen es an der Universität Basel gibt. Am Informationstag im Kollegiengebäude wurde ich dermassen mit Flyer überhäuft, dass die meisten davon ungelesen direkt im Altpapier landeten. Dabei gibt es ein Angebot an Organisationen, deren Spektrum nicht breiter sein könnte. Du atmest gerne Bergluft? Voilà, der Akademische Alpenclub. Du nippst gerne an einem Glas Wein? Trifft sich prima, Uniwyy ist eine studentische Organisation zur Förderung der Weinkultur. Du willst dich für Menschenrechte stark machen? Supi, das wollen sie bei Amnesty Students nämlich auch. Die Liste ist endlos, im Uni Guide findest du alle studentischen Organisationen von A bis Z.

4. Fragen geht über…
Wie sagt man so schön: Probieren geht über Studieren? Ich würde diese Redewendung für den Start ins Studium etwas anpassen: Fragen geht über Studieren. Bevor ihr euch Nächte den Kopf darüber zerbricht, wie ihr euren Stundenplan zusammenstellen könnt, wo man euch mit Stipendien weiterhilft und welche Kurse ihr wann belegen sollt, fragt ihr am besten einfach bei älteren Studierenden nach. Wir stolperten alle auch einmal in euren Schuhen, deshalb müsst ihr euch nicht sorgen: Eure Worte werden bestimmt auf offene Ohren treffen.

Vielleicht war euch das alles eh schon lange klar. Dann dienen diese Zeilen lediglich dem Zweck, euch rückzuversichern, dass ihr den Semesterstart schon packen werdet. Womöglich aber fühlt ihr euch genauso orientierungslos wie ich damals zu Beginn meines Studiums. In diesem Falle hoffe ich, dass meine Tipps helfen, euer Studium mit einer Prise Gelassenheit in Angriff zu nehmen. Denn eines kann ich euch versichern: es wird trotz holprigem Start eine unvergessliche Zeit!

Lisa Gianotti

Beim Betrachten einer zerbrechlich verkrampften Hand von Egon Schiele hat sich Lisa Gianotti dazu entschieden, Kunstgeschichte zu studieren. Von der schwerwiegenden Nebeldecke über dem Aargau ist sie der Sonne nach Basel gefolgt. In Museen findet sie die Ruhe, die in ihrem Kopf nicht immer herrscht. Wenn sich keine Leinwand vor ihren Augen befindet, dann tönen Klänge im Ohr. Sie würde gerne seltener Seminararbeiten und öfter Gedichte schreiben und ist in allem, was sie tut, nur halb so schnell wie ihre Mitmenschen.

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