Ghostwriting & Proofreading – Was erlaubt ist und was dich dein Studium kosten kann

Du magst es vielleicht verdrängen, aber das Ende des Semesters und damit die Deadline der Seminar-, Bachelor- oder auch Meisterarbeit rückt näher. Genau das wissen auch private Lektoren oder Ghostwriting-Agenturen und rühren ordentlich die Werbetrommel. Aber darf man eigentlich diese Dienste in Anspruch nehmen und wo bekommt man wirklich Hilfe?

Die Zeit ist knapp, es fehlen noch 30 Seiten und eigentlich solltest du auch noch für sechs Klausuren lernen. Du kennst sicherlich die Anzeigen am Schwarzen Brett, in denen private Personen ein Lektorat akademischer Texte anbieten. Seit einer Weile taucht aber auch immer mehr Werbung für Ghostwriting-Dienstleistungen auf.

Was auf dem ersten Blick eine einfache Lösung deiner Probleme verspricht, ist nicht nur ethisch mehr als heikel, sondern auch gefährlich. Wenn du nämlich Gedanken Anderer als die eignen ausgibst, machst du dich des Plagiats schuldig und riskierst den Ausschluss vom Studium. «Die Inanspruchnahme eines solchen Schreibdienstes ist ein krasser Betrug. Zudem machen sich die Personen ein Leben lang erpressbar. Wir sind uns an der Fakultät der Problematik bewusst und entsprechend sensibilisiert», betont Prof. Dr. Pascal Gantenbein, Studiendekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und Vorsitzender der Prüfungskommission.

Unter keinen Umständen dürfen Andere, seien es private Lektoren oder professionelle Agenturen, inhaltlich in deinen Text eingreifen. Lass also lieber eine Deadline verstreichen als am Ende der Uni verwiesen zu werden. Wer aber ist trotz des Risikos bereit, das eigene Glück in fremde Hände zu legen und damit den Studienausschluss zu riskieren?

Ich habe bei der Ghostwriting-Agentur ACAD nachgefragt. «Unsere Klientel ist grundsätzlich sehr heterogen, wir bedienen beinahe alle Fächer und Fächerkombinationen. Auch charakterlich unterscheiden sich die Kunden stark. Es gibt nicht ‚den‘ Ghostwriting-Kunden», erklärt Dr. Thomas Nehmet, CEO von ACAD. Eines ist wohl aber klar: Zahlungskräftig muss er sein. Ghostwriting-Agenturen lassen sich Service und Diskretion auch mal einen fünfstelligen Frankenbetrag kosten. Aber so pauschal kann man das natürlich nicht sagen, weil der Aufwand variiert – versteht sich.

Überforderung, Schicksalsschläge oder Doppelbelastung durch Beruf und Studium werden häufig als Gründe für die Inanspruchnahme angeführt. Ethische Bedenken sieht ACAD kaum. Man versteht sich als Bereitsteller von Vorlagen und überlässt den Umgang damit der Verantwortung Studierender. «Differenzierter muss man es sehen, wenn die Kunden unsere Vorlagen verwenden und als ihre eigenen Texte abgeben», ergänzt Dr. Nehmet. Eine interessante Aussage, ist doch ein Ghostwriter laut Duden ein «Autor, der für eine andere Person, meist eine bekannte Persönlichkeit, schreibt und nicht als Verfasser genannt wird.»

Proofreading Theses
Was aber tun, wenn man am Schluss in Zeitnot gerät oder zu Leichtsinnsfehlern neigt? Grundsätzlich gilt, dass eine Überprüfung der sprachlichen Richtigkeit durch Andere möglich ist. Wenn du deiner Oma nicht 60 Seiten zum Sezessionskrieg auf Englisch zumuten möchtest, kannst du dich fortan besser auf einen Service des Sprachenzentrums verlassen.

Als Ergänzung zum schon länger etablierten Service des Editierens von Artikeln, die zur Publikation bestimmt sind, bezieht sich das neue Angebot des Sprachenzentrums „Proofreading Theses“ auf Arbeiten, die nicht bei einem Verlag eingereicht werden.

Mit steigender Relevanz des Englischen wachsen auch die Ansprüche, die an fremdsprachige Arbeiten gestellt werden. Durch das Proofreading kannst du die sprachliche Richtigkeit deiner Bachelor- oder Masterarbeit, aber auch deiner Seminararbeit oder Dissertation, sicherstellen lassen. Es werden sprachliche Unklarheiten, Grammatik-, Rechtschreib- sowie Zeichensetzungsfehler korrigiert und falsch verwendete Termini ersetzt. Wo nötig, wird die Lesbarkeit langen Sätzen ermöglicht.

«Beim Proofreading geht es um den Einsatz von Standards linguistischer Korrektheit. Es geht nicht darum, die Verständlichkeit des Textes durch zum Beispiel klarere Leserführung zu verbessern. Das bedeutet, dass inhaltliche und logische Zusammenhänge in der Satz- und Absatzfolge nicht verbessert werden. Unter keinen Umständen dürfen Proofreader den Text inhaltlich verbessern oder verändern. Dies ist ein absolutes No-Go!», erklärt Stephan Meyer, stellvertretender Leiter des Sprachenzentrums. Beim Proofreading bleibt die Authentizität der studentischen Leistung unangetastet.

Um den arbeitsintensiven Service möglichst vielen Studierenden ermöglichen zu können, werden die Arbeiten im Gegensatz zum Editing nicht hier in Basel korrigiert, sondern von erfahrenen Mitarbeitenden einer Universität in Südafrika. So kann man den Studierenden den Service zum attraktiven Preis von 1.70 CHF pro 100 Wörter anbieten und dennoch dem Proofreader lokal gute Honorare bezahlen.

Die Proofreader in Südafrika haben über Jahre bereits Hunderte akademische Manuskripte korrigiert; auch für Universitäten in Deutschland. «Studierende sind in der Regel positiv überrascht, wie stark die Textqualität durch die genaue und detaillierte Korrektur steigt. Einige, die einmal unseren Service genutzt haben, kommen erneut auf uns zu. Das ist eine schöne Bestätigung dafür, dass ihre Ansprüche erfüllt wurden», ergänzt Herr Meyer, der selbst aus Südafrika stammt.

Wenn du den Service des Sprachenzentrums in Anspruch nehmen möchtest, solltest du im Vorfeld rechtzeitig mit dem Sprachenzentrum in Kontakt treten, um ein Zeitfenster zu reservieren. In der Regel kann der Prozess schnell in Angriff genommen und abgeschlossen werden. Die Korrektur von beispielsweise 30 Seiten dauert rund eine Woche; je nachdem, wie schnell du auf die Anmerkungen des Proofreaders reagierst. Bei Dissertationen kann der Prozess aber auch schon einmal sechs Wochen dauern.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.