«Liebe WG…» – Was du bei der WG-Bewerbung beachten solltest

«… ich habe euer Inserat gesehen und interessiere mich für das ausgeschriebene Zimmer.» Das ist mal kein schlechter Anfang für eine WG-Bewerbung. So im Allgemeinen könnte man sich denken, dass das doch gar nicht so schwer ist. Doch was bei unserer WG schon alles im Posteingang gelandet ist, spricht dagegen. Hier deshalb ein Plädoyer für ein durchdachtes und ansprechendes WG-Bewerbungsschreiben. 

Es ist zehn Uhr in der Früh, Kaffeepause. Ich klicke mich durch die Anmeldung zu meinem Email-Account durch. Vor ein paar Wochen hat unser Mitbewohner angekündigt, dass er auszieht. Und weil nun schon recht bald ein/e neue/r Mitbewohner/in hermuss, ging gestern Abend die Anzeige für das WG-Zimmer raus. Kleines Zimmer, günstige Miete, Altbauwohnung, drei etwas verrückte Mädels inklusive. Mein Posteingang sagt mir, dass unsere Anzeige einigermassen ansprechend gewesen sein muss: Es wartet ein halbes Duzend E-Mails auf uns. In den nächsten Tagen werden noch mehr eintrudeln.

Anzeige genau lesen
Doch längst nicht alle E-Mails sind brauchbar, wie wir später im WG-Chat konstatieren. Am liebsten würden wir einigen Bewerbern zurückschreiben, dass sie sich doch etwas mehr vorstellen sollen – aber das haben wir bereits in unserer Anzeige geschrieben: «Erzähl einfach mal  von dir, wenn du dich meldest.» Trotzdem gibt es ein, zwei Bewerber, die zunächst unsere Anzeige nicht richtig lesen oder sich mit einem Satz bewirbt: «Hei, hab eure Anzeige für das Zimmer gesehen, wann könnte ich vorbeikommen und es mir anschauen?»

Der erste Schritt zu einer erfolgreichen WG-Zimmer-Bewerbung lautet also: Anzeige genau lesen. Haben die Bewohner deines potenziell neuen Zuhauses spezielle Anforderungen? Bei uns zum Beispiel war die einzige feste Anforderung, Student oder Lernender zu sein. Wenn du dich dann meldest, ohne den Anforderungen zu entsprechen, ist das leider Zeitverschwendung für dich.

Is it me you’re looking for?
Hast du nun also eine Anzeige vor dir, die dir entspricht, lautet der nächste Schritt: Sich vorstellen. Und sich gar nicht vorzustellen ist keine gute Option. Oft haben WGs bis zu zwanzig, dreissig Bewerber, anfangs Semester weitaus mehr. Bei meiner eigenen WG-Suche gab es sogar solche, die ein Doodle erstellt haben, wo sich die Bewerber zur Besichtigung eintragen konnten. Oft standen da neben mir noch so viele weitere Bewerber, dass mir die Hoffnung schon beim Doodeln verging. Also musst du irgendwie herausstechen, und das geht vorerst nur mit deiner digitalen Bewerbung. Bei uns hatte zum Beispiel mal eine Bewerberin ihre Bewerbung mit einem Songzitat von Lionel Richie eröffnet: «Is it me you’re looking for?». Kreativität ist definitiv ein Pluspunkt!

Das ist deshalb so wichtig, weil du sonst vielleicht gar nicht erst eine Antwort bekommst, was schade wäre. Wir haben bei unseren Besichtigungen alle eingeladen, auch solche, die sich nur in ein, zwei Sätzen vorgestellt haben – und uns dann überrascht haben und super sympathisch waren an der Besichtigung. Doch ich weiss von vielen WGs, die Bewerber mit knappen E-Mails erst gar nicht einladen. 

Warum genau du?
Deshalb musst du dir neben deinen Hobbies und deinen Interessen auch überlegen (und dazuschreiben), wie du dir ein Zusammenleben vorstellst. Gibt es irgendwas, was du besonders schätzt? Legst du besonderen Wert auf Sauberkeit, magst du schöne Philosophierabende oder bist du eher selten daheim? All das kann schon ein Bild von dir zeichnen, was dir schon ein Vorbesichtigungsplus verleiht. Wer sich die Mühe gibt, aus einem Satz drei Absätze zu machen und sich ausgiebig vorstellt, von dem denkt man, dass derjenige sich auch im WG-Alltag soviel Mühe geben wird. Du willst schlussendlich deinen zukünftigen Mitbewohnern die Frage, warum ausgerechnet du einziehen solltest, beantworten.

Und wie könnte nun eine solche Bewerbung aussehen? Unter diesem Link findet ihr ein meiner Meinung nach super Beispiel für eine gelungene WG-Bewerbung.

Die Bewerbung ist das eine, das andere ist dann die WG-Besichtigung. Hierfür hat Josephine bereits ihre Erfahrungen für euch zusammengetragen und Tipps gegeben, wie ihr euch bei einem Besichtigungstermin am besten anstellt.

Andjelka Antonijevic

Andjelka Antonijevic studiert Germanistik und Mathematik und fällt regelmässig in kleine Identitätskrisen, wenn sich ein gedehnter Vokal oder aspiriertes 'k' in ihren Aargauer Dialekt verirrt. Sie verbringt viel Zeit beim Stöbern in Brockis, möchte aber eigentlich gerne mehr Kurzgeschichten schreiben. Nach Lernphasen flüchtet sie mit Rucksack und Zelt aus dem Basler Alltag.

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