Eine App erobert den Vorlesungssaal

Ich bekam den Tipp von einer Freundin, etwa in meiner dritten Woche an der Uni. Mit einem süffisanten Lächeln erklärte sie mir kurz, worum es ging. Eine App, die sich Jodel nennt, sei unter den Studierenden äusserst beliebt. Mit dem Alpen-Singsang hat sie jedoch nichts zu tun. Was wirklich dahinter steckt, kann mir Alex genau erklären. Er ist der Head of Product bei Jodel und verrät, wieso man Karmapunkte sammeln sollte, was ein Jodelmeister hergeben muss und warum Beleidigungen bei Jodel nicht gehen.

Vermutlich kennen die meisten, die diesen Beitrag lesen, die App bereits. Dennoch sei sie fürs Verständnis hier kurz erklärt: Jodel ist eine Statusplattform, bei der man quasi anonym twittern kann. Der Beitrag ist dann für einige Stunden für alle im Umkreis von 10 km zu lesen und verschwindet danach wieder von der Oberfläche. Man kann die Beiträge entweder up- oder downvoten, was zur Folge hat, dass der Verfasser sogenannte Karmapunkte sammelt oder verliert. Die bringen einem dann zwar nichts, sind aber nett anzusehen.

In der Regel ziehen bestimmte Jodelthemen, und damit Themen, die Studierende mehr oder weniger beschäftigen, im Wochentakt an den Smartphones vorbei. Meistens geht es dabei nicht sehr akademisch, aber ganz schön lustig zu und her: Diese Woche waren Posts über die Lernphase und ihre Gräueln Thema Nummer eins – geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid.

Alexander Linewitsch (23), der Head of Product bei Jodel, beantwortet mir einige brennende Fragen zur App:

Wofür steht Jodel ein?
Die Vision von Jodel ist es Zugehörigkeit zu einer lokalen Community zu schaffen, d.h. im ersten Schritt Studierenden eine Plattform für den offenen Austausch zu geben, auf der sie witzige, interessante und informative Statusupdates teilen können.

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Jodeln die Mitarbeiter von Jodel auch?

Selbstverständlich, wir sind die grössten Jodelfreaks ;)

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Alex Linewitsch (Bild: zVg)

Es gibt bereits ähnliche Formate wie Whisper und Confesster, was macht Jodel anders/besser?
Die angesprochenen Apps legen ihren Fokus auf die Anonymität. Die Anonymität ist bei uns ebenfalls ein wichtiges Element, das Besondere an Jodel ist jedoch der Standortbezug. Es gibt eine natürliche Korrelation zwischen Distanz und Relevanz, d.h. weil man Posts aus seiner unmittelbaren Umgebung liest, kann man sich viel mehr damit identifizieren, weil es beispielsweise um den lokalen Dönerladen geht, zu dem viele Studierende nach dem Feiern gehen.

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Was hat es eigentlich mit dem Karmapunktesystem auf sich?
Karma bedeutet ja im Prinzip, dass wir alle durch unsere kleinen und grossen Handlungen die Welt um uns herum beeinflussen und verändern. Gleichzeitig kommt das dann natürlich wieder auf einen selber zurück, was ja auch Sinn macht: Tut man etwas Gutes, wird die Welt ein besserer Ort und dadurch wird einem selber auch wiederum mehr Gutes widerfahren. Bei Jodel ist das genauso. Dein Karma zeigt an, wie viel Gutes du für die Jodel Community getan hast, sei es durch Jodeln (egal ob lustig, hilfreich, informativ oder motivierend), Kommentieren oder Bewerten. Dadurch formst du deine Community und machst sie zu einem besseren Ort.

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Wie geht ihr eigentlich mit Beleidigungen in Jodel um, oder mit expliziten Bildern?
Beleidigungen oder sonstige anstössige Inhalte werden bei uns nicht toleriert. Das steht auch ausdrücklich in den 10 Jodel-Geboten, die jeder Nutzer vor dem ersten Post akzeptieren muss. Der Nutzer selber hat in solchen Fällen die Möglichkeit, den Post runterzuvoten (ab einer gewissen Anzahl an Downvotes verschwindet der Post nämlich) oder zu melden. Gemeldete Jodel werden von unseren Community Managern reviewt. Diese lesen auch aktiv in verschiedenen Communities mit, um die Stimmung immer im Blick zu haben. Uns ist dieses Thema sehr wichtig und wir bauen momentan auch an einem technischen System, das uns dabei helfen wird, solche Beiträge noch schneller entfernen zu können. Bilder werden alle vor Veröffentlichung in Sekundenschnelle manuell geprüft, d.h. explizite Bilder haben erst überhaupt nicht die Chance veröffentlicht zu werden.

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Gibt er Erweiterungspläne für die App?
Auf jeden Fall! Wir wollen expandieren und Jodel in neue Länder bringen. Ausserdem haben wir auch Erweiterungspläne innerhalb der App. In den kommenden Monaten kommt ein neues Update, mit welchem wir unter anderem auch neue Funktionen einführen.

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Auf der Internetseite ist ein Job als Jodelmeister ausgeschrieben – Welche Qualitäten muss man für den Job haben?
Wenn man begeisterter Jodler ist, dann hat man schon mal den Grossteil der Voraussetzungen erfüllt! Ein Jodelmeister unterstützt uns vor Ort mit verschiedenen Marketing- und Presseaktivitäten und sollte daher offen im Umgang mit anderen Leuten und sehr kommunikativ sein. Darüber hinaus gibt es jedoch keine speziellen Anforderungen und jeder, der Jodel so richtig an seine Uni bringen möchte, sollte sich bei uns melden!

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